Stand: 22.10.2015 14:01 Uhr

Neue Halle am Zwischenlager Lubmin?

Das atomare Zwischenlager Nord in Lubmin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) wird möglicherweise doch erweitert. Offenbar reicht das bisher geplante neue Sicherheitskonzept nicht aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält es nach Informationen des NDR für möglich, dass auf dem Gelände eine neue Halle für Behälter mit hochradioaktivem Abfall entsteht. 

Sicherheitskonzept muss überarbeitet werden

Anlass sind neue Pläne des Betreibers - der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN). Die EWN arbeiten an einem neuen Sicherheitskonzept, um die Halle 8 mit den 74 Castor-Behältern besser vor Terror-Attacken oder Flugzeugabstürzen und deren Folgen zu schützen. Auf diese erweiterten Sicherheitsmaßnahmen hatte sich der Bund Ende 2010 mit Ländern, Betreibern und Aufsichtsbehörden geeinigt. Einen ersten Bau-Antrag beim zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz vom Sommer 2011 haben die EWN in diesem Juli allerdings überraschend zurückgezogen, es ging um Nachrüstungen für die Castoren-Halle.

Bundesamt für Strahlenschutz macht Druck

Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt sich mittlerweile ungeduldig: Auch wenn die Sicherung der Halle 8 durch "organisatorische und personelle Maßnahmen" gewährleistet sei, erwarte man einen neuen Antrag. Neben einer Nachrüstung der bestehenden Halle sei dabei auch ein Neubau denkbar, heißt auf Anfrage des NDR.

EWN: "Mehrere Varianten im Gespräch"

Die EWN  wollten sich dazu nicht äußern. Eine Sprecherin teilte mit, es seien "mehrere Varianten im Gespräch", dazu gebe es aber keine Auskünfte. Als Grund für den überraschend Rückzug des geplanten Sicherheitskonzeptes erklärte das Bundes-Unternehmen, es seien "zusätzliche Aspekte aufgetreten, die eine grundlegende Überarbeitung der beantragten Konzeption erforderlich machen." Möglicherweise hat eine einfache bauliche Ertüchtigung der Halle 8 nicht ausgereicht.

Die EWN wollen keine Zweifel an der Sicherheit aufkommen lassen und erklärten auf Anfrage, dass das "behördlich anerkannte, hohe Sicherheitsniveau des Zwischenlagers Nord durch die Umsetzung sogenannter temporärer Maßnahmen sowohl heute als auch bis zur Realisierung der zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen uneingeschränkt gewährleistet ist".

Grünen fordern klare Aussagen

Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr fürchtet angesichts möglicher Neubau-Pläne eine Erweiterung der Anlage in Lubmin. Suhr warnt vor einem Zwischenlager mit Endlager-Eigenschaften. Die EWN müssten "die Karten auf den Tisch legen und der Öffentlichkeit erklären, was sie mit dem Zwischenlager Nord in Lubmin vorhaben". Hier sei das Innenministerium als Atomaufsicht gefordert. Die offenen Fragen will Suhr per Parlamentsanfrage klären. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reagierte entspannt, es gebe klare Beschlüsse der Landesregierung und des Landtages gegen mehr Castoren in Lubmin - diese Beschlüsse respektiere auch der Bund. "Solange der Innenminister des Landes Caffier heißt, bleibt es bei den 74 Castoren", sagte der Minister im Gespräch mit dem NDR.

EWN: Keine Erweiterung geplant

Auch die EWN erklärten, die möglichen Varianten des Sicherheitskonzepts würden die Kapazitäten des Zwischenlagers nicht erweitern. In Lubmin wird der radioaktive Müll der ehemaligen DDR-Atomkraftwerke Rheinsberg und Lubmin in 65 Castor-Behältern eingelagert. Ursprünglich sollten dort nur diese atomaren Hinterlassenschaften gesichert werden. Mittlerweile allerdings werden dort in sechs weiteren Hochsicherheits-Containern Uran-Abfälle aus dem Forschungsschiff "Otto Hahn" und der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe aufbewahrt. Nach dem angekündigten Atomausstieg sucht der Bund weiter nach einer Endlager-Stätte, die Standort-Auswahl ist noch offen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.10.2015 | 21:00 Uhr