Stand: 02.02.2016 08:11 Uhr

Nach Missbrauch: Jugendtreff geschlossen

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Schließt: Der Jugendtreff des Vereins Power for Kids in Schwerin. (Archivbild)

Die Missbrauchs-Affäre in dem Schweriner Jugendhilfeverein Power for Kids zieht Konsequenzen nach sich. Wie die Schweriner Stadtverwaltung und ein Sprecher des Vereins übereinstimmend erklärten, wurde der Jugendtreff der Einrichtung im Plattenbauviertel Großer Dreesch am Montag vorläufig geschlossen. Außerdem sei die Vorstandsvorsitzende Grithli Frenzel von ihrem Amt zurückgetreten. Die Vereinsvorsitzende habe den Sozialdezernenten Andreas Ruhl am Wochenende über ihren Rücktritt informiert, teilte eine Stadtsprecherin mit.

Bald Mitgliederversammlung mit Neuwahlen?

Die Stadt hatte auf die Schließung gedrungen. Diese war zudem vom städtischen Jugendhilfeausschuss zuletzt vehement gefordert worden. Während der Schließung soll nun genau hingeguckt werden, wie der Verein gearbeitet hat und was geändert werden muss. Den Angaben zufolge erklärte sich die zurückgetretene Vorstandsvorsitzende bereit, dem Verein weiter zur Verfügung zu stehen. Sie habe den Wunsch nach Einberufung einer Mitgliederversammlung zur Wahl eines neuen Vorstands geäußert, hieß es.

Jugendliche kritisieren Schließung

Einige Jugendliche, darunter auch Missbrauchsopfer, kritisierten die Schließung: So erlaube man einem einzigen Täter, ihr zweites Zuhause kaputt zu machen, sagten sie dem NDR. Sozialdezernent Ruhl versprach dem Verein für die Zeit der Schließung Ausweichangebote für die Kinder und Jugendlichen.

Dutzendfachen sexuellen Missbrauch eingeräumt

Seit rund einem Monat läuft vor dem Landgericht Schwerin ein Prozess gegen den Mitgründer und langjährigen Chef des Vereins. Dem Mann wird sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in 62 Fällen vorgeworfen, der Angeklagte hatte die Vorwürfe bei Prozessbeginn eingeräumt. Viele seiner Taten soll er in den Vereinsräumen begangen haben.

Ausschuss soll Versäumnisse des Jugendamtes untersuchen

Derweil wollen die Stadtverwaltung und ein Sonderausschuss der Stadtvertretung untersuchen, ob das Jugendamt Fehler begangen hat. Das mit neun Kommunalpolitikern besetzte Gremium soll nun kären, warum das Jugendamt nach den ersten Hinweisen auf Kindesmissbrauch im Januar 2015 ein halbes Jahr lang weder Polizei noch Verein informierte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.02.2016 | 06:00 Uhr