Stand: 06.01.2016 08:06 Uhr

Missbrauchsgeständnis: Jugendamt in der Kritik

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Das Schweriner Jugendamt räumt Fehler ein. (Archivbild)

Nach dem Geständnis eines Jugendhilfeverein-Mitarbeiters in Schwerin, Kinder und Jugendliche in 62 Fällen sexuell missbraucht zu haben, steht das städtische Jugendamt in der Kritik. Die Behörde hatte bereits vor rund einem Jahr erste Hinweise auf den Mann bekommen. Diese seien von einem Schulsozialarbeiter gekommen, sagte Jugendamts-Leiterin Caren Gospodarek-Schwenk.

Jugendamtsleiterin: "Aus heutiger Sicht falsch"

Zwar sei der Name des jetzt angeklagten 41-Jährigen genannt worden, nicht aber die Namen der betroffenen Kinder. Auch sei noch nicht von Missbrauch die Rede gewesen, sondern von "verbal und gestikulär übergriffigem Verhalten". Deshalb habe das Amt den betroffenen Verein "Power for Kids" nicht informiert und das weitere Vorgehen dem Schulsozialarbeiter und dessen Träger überlassen. Die Jugendamtsleiterin gab zu, dass diese Strategie vom heutigen Wissensstand aus betrachtet falsch war.

"Power for Kids"-Chefin: Aufdeckung kam überraschend

Auch die Rechtsanwältin Christine Habetha, die zwölf Kinder als Nebenkläger vertritt, erhob am ersten Verhandlungstag am Dienstag im Gerichtssaal schwere Vorwürfe gegen das Schweriner Jugendamt. Die Vorstandsvorsitzende von "Power for Kids", Grithli Frenzel, betonte gegenüber dem NDR Fernsehen, dass die Aufdeckung der Missbrauchsfälle für sie völlig überraschend kam.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.01.2016 | 07:00 Uhr