Stand: 12.01.2016 12:48 Uhr

Missbrauch in Verein: Untersuchung im Jugendamt

Im Missbrauchsfall im Umfeld eines Jugendhilfevereins hat Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) eine unabhängige Untersuchung beauftragt. Im Jugendamt seien Fehler gemacht worden, räumte Gramkow am Montagabend ein. Nun soll untersucht werden, wie schwerwiegend die Fehler im Umgang mit Missbrauchshinweisen waren.

OB Gramkow: Warum wurde nicht nachgeforscht?

"Beim Umgang des Jugendamtes mit den Missbrauchshinweisen sind Fragen offen geblieben", sagte die Oberbürgermeisterin. Aus Sicht der Stadt sei insbesondere zu klären, warum bei dem Verein nicht wegen der anonymen Vorwürfe nachgeforscht oder alternativ die Polizei informiert worden ist? Stattdessen wurde ein Sozialarbeiter eines freien Trägers, dem zwei Jungen von Übergriffen in dem Verein erzählt hatten, beauftragt, sich um die Sache zu kümmern. Dieser konnte die Eltern nicht zu einer Anzeige bewegen. Im August 2015 wurde der mutmaßliche Täter nach einer Anzeige festgenommen.

Leitende Mitarbeiter teilweise von Aufgaben entbunden

Es sei für sie schwer zu ertragen, dass ein Täter noch monatelang Verbrechen begehen konnte, obwohl das Amt früh Hinweise auf Kindesmissbrauch hatte, so Gramkow weiter. Die Jugendamtsleiterin und der zuständige Abteilungsleiter wurden bis zum Ende der Untersuchungen von Aufgaben der allgemeinen Jugendhilfe entbunden. Den betroffenen Opfern wolle die Stadt mit psychologischen und sozialen Hilfen zur Seite stehen.

Untersuchungsausschuss gefordert

Vor allem Unabhängige Bürger und CDU hatten massive Kritik am Verhalten des Verwaltung geübt. Kommunalpolitiker warfen dem Jugendamt "völliges Versagen" vor. Die CDU hatte außerdem einen Untersuchungsausschuss gefordert, sollte die Verwaltung den Fall nicht aufklären können oder wollen, wie es hieß. Dem schloss sich die SPD in der Landeshauptstadt an, wie der Fraktionsvorsitzende Daniel Meslien NDR 1 Radio MV bestätigte.

Jugendamt hatte früh Hinweise auf Missbrauch

Zuvor war bekannt geworden, dass das Schweriner Jugendamt schon ein halbes Jahr vor der Festnahme des mutmaßlichen Täters Hinweise auf körperliche Übergriffe auf Kinder im Umfeld des Jugendhilfevereins "Power for Kids" erhalten hatte. Einem 41-jährigen Schweriner wird 62-facher, zum Teil schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vorgeworfen. Er hat die Taten vor Gericht gestanden.

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Prozess: Missbrauchsvorwürfe gegen Sozialarbeiter

05.01.2016 19:30 Uhr
Nordmagazin

Einem 41-jährigen Mitarbeiter des Jugendhilfevereins "Power for Kids" wird 62-facher Kindesmissbrauch vorgeworfen - in einigen Fällen soll er seine Opfer vergewaltigt haben. Video (02:04 min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.01.2016 | 12:40 Uhr