Stand: 04.02.2016 14:00 Uhr

Missbrauch: Mutter vertraute dem Angeklagten

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Der Angeklagte war selbst Gründungsmitglied des Vereins "Power for Kids".

Im Prozess wegen Kindesmissbrauchs gegen den Mitgründer des Schweriner Jugendhilfe-Vereins "Power for Kids" hat das Gericht die Beweisaufnahme abgeschlossen. Am Donnerstag sagten zwei Mütter aus. Eine der Zeuginnen schilderte, dass ihr Sohn ihr einmal berichtet habe, dass der Angeklagte ihn aufgefordert habe, seine Hose herunterzuziehen.

Mutter von Betroffenem vertraute Angeklagtem

Sie habe den Mann damals darauf angesprochen. Allerdings habe sie dessen Aussage, dem Jungen sei die Hose von selbst heruntergerutscht, geglaubt. Sie habe wie viele andere auch dem Mitgründer und langjährigen Chef von "Power for Kids" völlig vertraut, so die Zeugin.

Langjährige sexuelle Beziehungen zu Frauen

Außerdem ließ der Angeklagte in der Verhandlung von seinem Verteidiger eine Erklärung verlesen. Diese enthielt hauptsächlich biografische Daten: geboren in Schwerin, Scheidungskind, Ausbildung zum Zerspaner, Jobs in der Gastronomie und im Sicherheitsgewerbe, lange Arbeitslosigkeit, seit 15 Jahren ehrenamtliches Engagement bei "Power for Kids". Zudem betonte der 41-jährige Angeklagte in seiner Erklärung, dass er langjährige sexuelle Beziehungen zu Frauen gehabt habe.

Nebenklage erwartet weiteren Prozess

Dem Mann wird sexueller Missbrauch von Jungen aus dem Verein in 62 Fällen vorgeworfen. Diese hatte der damalige Vereinsvorsitzende bereits eingeräumt. Bis auf Weiteres sind den Opfern so Aussagen vor Gericht erspart geblieben. Nach Angaben der Anwältin der Nebenklage droht dem Angeklagten ein weiteres Verfahren. Ihren Aussagen zufolge gibt es weitere Kinder, die der ehemalige Leiter einer Tanzgruppe missbraucht haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesen Fällen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.02.2016 | 14:30 Uhr