Stand: 06.11.2012 18:38 Uhr

Mehrjährige Haftstrafe für Radiomoderator

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Radiomoderator Marcus Japke (M.) legte ein Geständnis ab.

Der frühere Moderator des Rostocker Radiosenders "Ostseewelle", Marcus Japke, ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Der 39-Jährige hatte am Dienstag vor dem Landgericht Rostock gestanden, zwischen 2005 und 2008 ein anfangs zwölf Jahre altes Mädchen wiederholt sexuell missbraucht zu haben. Insgesamt waren Japke 46 Einzeltaten vorgeworfen worden. Das Gericht konnte dem Angeklagten in 26 Fällen sexuellen Missbrauch von Kindern nachweisen, davon in sechs Fällen schwer. Die Taten nach Vollendung des 13. Lebensjahres des Mädchen wurden fallengelassen. Im August hatte ein Gerichtssprecher noch von einer Haftstrafe von zehn Jahren oder mehr gesprochen, die Japke möglicherweise drohe. Der Moderator war Ende Mai verhaftet worden und saß seitdem in Untersuchungshaft ein.

Opfer bei Gewinnspiel kennengelernt

Laut Richter Wolfgang Strauß lernte Japke die damals Zwölfjährige kennen, nachdem sie bei einem Gewinnspiel des Senders gewonnen hatte und ins Studio eingeladen worden war. Der Moderator habe die Naivität des Mädchens und seine Stellung als Radiomoderator skrupellos ausgenutzt, als es in der Folge des Besuchs zu den Missbrauchsfällen kam. Strafmildernd habe sich neben dem Geständnis Japkes ausgewirkt, dass es sich um einvernehmliche sexuelle Kontakte gehandelt habe.

Prozessbeteiligte verständigen sich

Das vergleichsweise milde Urteil war nach einer Absprache der Prozessbeteiligten zustande gekommen. Diese hatten sich am 1. November bei einem Treffen darauf verständigt, dass bei einem umfassenden Geständnis des Moderators mit einer Haftstrafe zwischen drei Jahren und zwei Monaten und drei Jahren und sechs Monaten zu rechnen sei. Vor der Urteilsverkündung erklärte der Richter, dass es sich bei der Absprache nicht um einen sogenannten Deal, sondern um eine Verständigung handle.

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Für den Prozess vor dem Rostocker Landgericht waren zunächst eigentlich sechs Verhandlungstage bis Ende November angesetzt.

"Solche Vereinbarungen sind in der Öffentlichkeit mit dem Dünkel des Anrüchigen behaftet", räumte Strauß ein. Diese habe aber den Aufwand des Verfahrens wesentlich verkürzt. Noch vor einer Woche habe er sich nicht vorstellen können, den Prozess an nur einem Tag zu Ende führen zu können, so der Richter. Außerdem müsse man den Fall im Vergleich zu Taten sehen, bei denen wesentlich jüngere Kinder unter Anwendung von Gewalt missbraucht werden. "Um solch einen Fall handelte es sich hier eindeutig nicht", sagte Strauß.

Opferanwältin: "Müssen mit dem Urteil leben"

Die Öffentlichkeit war zu Beginn der Verhandlung zum Schutz der heute 20-jährigen Zeugin und des landesweit bekannten Moderators ausgeschlossen worden. "Wir müssen mit dem Urteil leben. Meiner Mandantin ging es auch nicht um eine lange Haftstrafe für den Täter, sondern dass er zu seinen Taten steht", sagte die Rechtsanwältin des Opfers, Beate Falkenberg, die als Vertreterin der Nebenklage bei der Vereinbarung nicht eingebunden war.

Kritik vom Kinderschutzbund und der Verteidigung

Für Rainer Becker vom Vorstand der Deutschen Kinderhilfe ist der Richterspruch unangemessen. Die psychischen Folgen für das Opfer würden zu wenig berücksichtigt. So hätte sich während des langjährigen Missbrauchs ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt. Es bestehe die Möglichkeit, dass die junge Frau nun Probleme entwickele, sich anderen Menschen zuzuwenden. Die Anwältin des Moderators, Annette Voges, sprach von einer medialen Hinrichtung ihres Mandanten. Bei der Festnahme und der späteren Vorführung beim Haftrichter habe es einen großen Medienauftrieb gegeben. "Das muss man der Staatsanwaltschaft vorwerfen. Das geht so nicht."

Weitere Ermittlungen wegen Betrugs

Gegen den Moderator laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen wegen Bankrotts und gewerbsmäßigen Betrugs bei dem Glücksspiel eines Radiosenders. Bei einer Verurteilung deswegen drohe ihm eine weitere Freiheitsstrafe.