Stand: 16.03.2016 08:02 Uhr

Lilienthals Gleiter wird im Windkanal getestet

Ungewöhnliches Experiment mit einem historischen Fluggerät: Der Gleiter des Anklamer Flugpioners Otto Lilienthal soll im Windkanal getestet werden. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen wollen so die Flugeigenschaften erforschen. Anlass für das Experiment ist das 125-jährige Jubiläum des Erstflugs von Otto Lilienthal im Frühjahr 1891. Derzeit wird der historische Gleiter von Mitarbeitern des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam nach Originalplänen des Ingenieurs nachgebaut. Die Windkanal-Messungen sollen spätestens Anfang Mai im niederländischen Marknesse durchgeführt werden.

Fliegen wie Otto Lilienthal

Welches Wissen hatte Lilienthal?

Das Fluggerät muss bis dahin die identischen aerodynamischen Eigenschaften wie das Original von Lilienthal besitzen. Der Stoff für die beiden Flügel, die zusammen knapp sieben Meter lang sind, wird derzeit extra angefertigt. Bis heute sind die Flugeigenschaften dieses ersten Serienflugzeugs der Welt unbekannt, sagte der Leiter des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik, Prof. Andreas Dillmann. Mindestens zwölf Exemplare des motorlosen Gleitfliegers wurden nach Angaben des Direktors des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, Bernd Lukasch, gebaut. Neun Fluggeräte wurden verkauft. Vier Stück dieses Lilienthalschen Flugapparates sind heute noch - in unterschiedlicher Qualität - in London, Moskau, München und Washington erhalten. Die Forscher hoffen mit den Tests im Windkanal zu erfahren, welches theoretische Wissen über Stabilität und Steuerung Lilienthal tatsächlich hatte.

Bei Flugversuch tödlich verunglückt

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Otto Lilienthals Gleiter kann als erstes Serienflugzeug der Geschichte betrachtet werden.

Außerdem könnten sie auch neue Erkenntnisse über die Absturzursache des Flugpioniers bringen. Otto Lilienthal war am 9. August 1896 bei einem seiner Flugversuche bei Stölln nordwestlich von Berlin tödlich verunglückt. Der 1848 geborene Otto Lilienthal und sein Bruder Gustav (1849-1933) gelten als Mitbegründer der Luftfahrt. Er startete im Frühjahr 1891 im brandenburgischen Derwitz seinen ersten Flugversuch, und arbeitete sich auf Weiten von 250 Meter vor, ehe er tödlich verunglückte. Laut Augenzeugen habe eine Sonnenböe - ein plötzlicher Aufwind - seinen Gleiter erfasst. Doch dies sei quantitativ nie untermauert worden. Experten halten es auch für denkbar, dass das Flugzeug instabil gewesen sei und Lilienthal die Kontrolle verloren habe. Die Daten aus dem Windkanal könnten hierzu neue Erkenntnise liefern.

Wichtige Grundlagen für Wright und Junkers

Otto Lilienthal gelang es nach heutigem Erkenntnisstand als erstem Menschen, mit einem Hängegleiter wiederholt Gleitflüge durchzuführen und die dafür erforderlichen physikalischen Prinzipien zu erforschen. Seine Arbeiten waren Grundlage für den ersten Motorflug der Brüder Wright in den USA und für das spätere Wirken von anderen Luftfahrtpionieren wie Hugo Junkers.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.03.2016 | 08:00 Uhr