Stand: 16.10.2013 07:27 Uhr

Keine Großjagden im Müritz-Nationalpark mehr

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Künftig soll es im Nationalpark keine Großjagden mehr geben. (Archivbild)

Kein Gemetzel, aber zu viele Abschüsse - das war die Bilanz mehrerer Großjagden im Müritz-Nationalpark Ende vergangenen Jahres. Nun hat das Agrar- und Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns aus dem Ärger von Jägern und Anwohnern über Jagden mit bis zu 160 Schützen Konsequenzen gezogen: Die Jagden würden künftig besser organisiert, erklärte Till Backhaus (SPD) am Dienstag.

Künftig nur noch 50 Schützen

An einer Jagd dürfen maximal 50 Jäger teilnehmen. Es werde aber bei effektiven Drückjagden bleiben, um den Wildbestand zu regulieren. "Die Gesellschaftsjagd wird Vorrang vor der Einzeljagd behalten", erklärte Backhaus. 16 Gesellschaftsjagden sind im November und Dezember vorgesehen. 15 davon seien bereits ausgebucht. Dabei ist nur bleifreie Munition erlaubt, die Hunde müssen ausgebildet sein, Gastjäger zahlen 100 Euro pro Jagdtag. Die Jagden sollen überschaubar sein, Verstöße sollen schnell geahndet werden.

Jagdverband begrüßt Neuregelung

Der Müritz-Nationalpark hat die veränderte Organisation der Jagden bereits umgesetzt. Bei der Planung für die Drückjagden Ende dieses Jahres gebe es weniger Teilnehmer als bisher, sagte der Leiter des Müritznationalparkamtes, Ulrich Meßner. Auch würden bekannte und verlässliche Jäger bevorzugt. Der Landesjagdverband begrüßte die geplanten Änderungen. Er machte jedoch noch einmal deutlich, dass es bei dem offensichtlichen Fehlverhalten im vergangenen Winter um einige wenige Jäger gehe und nicht die Jägerschaft an sich.

Vorwürfe gegen Jagd-"Gemetzel"

Im November und Dezember vorigen Jahres hatten 21 Jagden im Nationalpark mit insgesamt 1.148 Schützen für Aufruhr bei Anwohnern und Jägern gesorgt. Die Jäger erhoben schwere Vorwürfe gegen das "Gemetzel", aber auch gegen die zahlreichen Jagdgäste aus anderen Bundesländern. Der Minister versetzte den verantwortlichen Jagdleiter Falk Jagszent im März für zunächst drei Monate zur Landesforstanstalt nach Malchin, wo er noch heute arbeitet.

Kommission widerlegt Großteil der Vorwürfe

Zudem setzte Backhaus eine Kommission zur Prüfung der mehr als 20 Vorwürfe ein. Die meisten wurden von der Kommission entkräftet. Als begründet erwies sich aber der Vorwurf, dass der Abschussplan bei Damwild überschritten wurde. Statt 160 Alttiere seien 220 erlegt worden. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wurde eingeleitet. Die Jäger sprachen zudem von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. So sollen Bachen, die Frischlinge hatten, rechtswidrig geschossen worden sein. Auch soll nicht nach allen angeschossenen Tieren gesucht worden sein.

Der Präsident des Landesjagdverbandes, Volker Böhning, hatte damals geäußert, der Verband habe nichts gegen Großjagden, weil es im Interesse der Jäger sei, das Wild möglichst selten zu beunruhigen.

Porträt
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.10.2013 | 07:00 Uhr

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