Stand: 26.01.2016 18:08 Uhr

Kartellamt winkt Verkauf von Rügen Fisch durch

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Rügen Fisch beschäftigt rund 850 Mitarbeiter. Deren Zukunft wird selbst SPD-intern unterschiedlich gesehen.

Einer der größten Firmenübernahmen Mecklenburg-Vorpommerns steht nichts mehr im Wege. Das Bundeskartellamt hat dem Verkauf des Sassnitzer Fischkonservenherstellers Rügen Fisch an den asiatischen Fischverarbeiter Thai Union Group zugestimmt. Die Wettbewerbshüter haben keine Einwände (Aktenzeichen: B2-114/15). Der Weltmarktführer bei Thunfisch-Konserven übernimmt damit die 51-Prozent-Mehrheit an dem Traditionsunternehmen Rügen Fisch mit den Marken Havesta, Ostseefisch und Lysell.

Thailändischer Investor will in Europa Fuss fassen

Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt, allerdings gibt es Mutmaßungen. Thai Union beziffert den Unternehmenswert auf das 6,5-fache des Gewinns vor Zinsen und Steuern (EBITDA) - das wären rund 65 Millionen Euro, die Schulden belaufen sich laut Geschäftsbericht von 2013 auf rund 46 Millionen Euro. Rein rechnerisch könnte das einen Kaufpreis von knapp 10 Millionen Euro ergeben. Die Übernahme soll noch in diesem Monat besiegelt werden. Die Thailänder wollen mit dem Einstieg bei Rügen Fisch ihre Stellung auf dem deutschen und europäischen Markt ausbauen. Das erklärte Konzernchef Thiraphong Chansiri bei der Ankündigung des Deals.

Brinkmann tritt Anteile ab

Thai Union Group übernimmt Anteile des Hamburger Rechtsanwalts Berthold Brinkmann. Brinkmann ist Aufsichtsratschef der Rügen Fisch AG und bekannt durch schlagzeilenträchtige Insolvenzverwaltungen, unter anderem bei der Volkswerft Stralsund. Außerdem tritt der Mit-Gesellschafter Thies Pickenpack Anteile ab. Brinkmanns Sohn Tobias Brinkmann behält dagegen sein Aktienpaket von 28,2 Prozent. Der Junior soll demnächst den Aufsichtsratsposten übernehmen.

Wie sieht die Zukunft der 850 Mitarbeiter aus?

Der Vorstandschef des Sassnitzers Unternehmens, Andrew Bergmann, hatte bei Ankündigung des Deals vor gut einem Monat erklärt, es sei kein Stellenabbau geplant - Rügen Fisch beschäftigt rund 850 Mitarbeiter, es erwirtschaftete laut Geschäftsbericht von 2013 einen Gewinn von 1,4 Millionen Euro. Rügen Fisch hat Standorte in Rostock, Lübeck und Cuxhaven sowie in Litauen.

Backhaus lobt, SPD vor Ort warnt

Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte im Dezember den Verkauf begrüßt, er sprach von einem "guten Tag für den Fischverarbeitungsstandort Mecklenburg-Vorpommern". Der Minister setzt auf mehr Jobs. Seine SPD-Parteifreunde vor Ort sehen das ganz anders. Die Sassnitzer SPD-Stadtfraktion befürchtet schlechtere Arbeitsbedingungen. Der neue Mehrheitseigner - die Thai Union Group - stehe international in der Kritik, weil in Zulieferbetrieben menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zugelassen würden. Außerdem müsse gefragt werden, was mit den 13,5 Millionen Euro Fördermitteln geschehen sei, die in den Neubau des Standorts in Sassnitz geflossen seien. Das Wirtschaftsministerium erklärte, das Unternehmen sei in den 90er-Jahren gefördert worden, die Bindungsfristen seien lange abgelaufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.01.2016 | 05:30 Uhr