Stand: 08.01.2016 17:01 Uhr

Jugendamt hatte Hinweise auf Übergriffe

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Der 41-jährige Angeklagte hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt.

Im Missbrauchsskandal im Umfeld des Schweriner Jugendhilfevereins "Power for Kids" will die Stadtspitze die Öffentlichkeit erst am kommenden Dienstag über Fortschritte bei der Aufklärung informieren. Zunächst will Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Die Linke) am kommenden Montag den Stadtvertretern Rede und Antwort stehen.

Opposition fordert Aufklärung

Ein Gründungsmitglied des "Power for Kids"-Vereins muss sich seit Anfang dieser Woche wegen 62-fachen, zum Teil schweren sexuellen Mißbrauchs verantworten. Das Jugendamt hatte zugeben müssen schon rund ein halbes Jahr vor der Festnahme des Mannes Hinweise auf körperliche Übergriffe erhalten zu haben. Die Opposition fordert jetzt eine lückenlose Aufklärung von Oberbürgermeisterin Gramkow und erwägt einen Untersuchungsauschuß einzurichten.

Sozialarbeiter wies auf Übergriffe hin

Bereits mit den ersten Warnungen durch einen Schulsozialarbeiter habe es Hinweise auf zweifelhafte Berührungen zwischen dem inzwischen angeklagten Ex-Vorsitzenden des Vereins und den von ihm betreuten Jugendlichen gegeben. Das räumte Stadtsprecherin Michaela Christen am Donnerstag auf Nachfrage des NDR ein. Zuvor hatte Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk betont, nur von anzüglichen Worten und Gesten gewusst zu haben.

Scharfe Kritik am Jugendamt

Der mutmaßliche Täter war im August festgenommen worden - ein halbes Jahr nach den ersten Hinweisen auf mögliche Übergriffe an das Amt. Aus der Kommunalpolitik kam scharfe Kritik: Das Jugendamt habe völlig versagt, er erwarte Aufklärung von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) persönlich, sagte der Unabhängigen-Fraktionschef Silvio Horn. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Sebastian Ehlers, betonte: Wenn die Stadt die Aufklärung der Vorgänge nicht leisten könne oder wolle, müsse das ein Untersuchungsausschuss übernehmen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.01.2016 | 17:30 Uhr

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