Stand: 03.03.2016 14:38 Uhr

Jördenstorf: Flüchtlinge blockieren Landstraße

In Jördenstorf sind Migranten in einer früheren Berufsschule und einem früheren Internat untergebracht. (Archivbild)

Rund 50 unzufriedene Flüchtlinge haben in der Nacht zum Donnerstag in Jördenstorf (Landkreis Rostock) einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Laut Polizei blockierten sie ab Mitternacht für knapp vier Stunden die von Teterow kommende Landesstraße 23 in der Nähe der Unterkunft. Die Flüchtlinge hatten sich demnach auf Decken und Matratzen auf die Straße gesetzt, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, mit einem Verantwortlichen des Landkreises über ihre schwierige Lage zu sprechen.

Kritik an Unterbringung offenbar Auslöser

Nach Angaben der Polizei war die Unzufriedenheit der Flüchtlinge mit der Unterbringung in der ehemaligen Berufsschule Hintergrund der Aktion. Viele Migranten seien in großen ehemaligen Klassenräumen untergebracht. "Sie fühlen sich nicht richtig aufgenommen und betreut", sagte ein Sprecher der Rostocker Polizei. Auch die Verpflegung und die Dauer der Anerkennungsverfahren seien kritisiert worden.

20 Polizisten vor Ort

Die Polizei war schließlich mit etwa 20 Beamten vor Ort. Auch aus benachbarten Regionen wie Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) seien Kräfte angefordert worden, um eine Eskalation zu verhindern. Nach vier Stunden konnte der Protest beendet werden. Zur Lösung der Probleme sollte es möglichst schnell ein Gespräch mit dem für die Unterbringung zuständigen Landkreis geben, hieß es.

Migranten verweigern Abgabe von Fingerabdrücken

Seit dem Donnerstagvormittag sind nach Angaben eines Landkreissprechers Behördenvertreter in Jördenstorf, um mit den Flüchtlingen zu reden. Noch immer ist Polizei vor Ort, da die 50 Asylsuchenden auch weiterhin außerhalb der Unterkunft demonstrieren wollen. Die Migranten hätten sich zudem geweigert, ihre Fingerabdrücke registrieren zu lassen. Dies sei in Deutschland unerlässlich, stellte der Landrat des Kreises, Sebastian Constien (SPD), klar. Proteste wie die nächtliche Straßenblockade würden Länge und Ausgang von Asylanerkennungsverfahren nicht gerade positiv beeinflussen, so constien weiter. Den 50 Asylbewerbern wurde zugesagt, dass sie, sobald die Baumaßnahmen an der Gemeinschaftsunterkunft in Jördenstorf abgeschlossen sind, vom derzeitigen Notquartier in komfortablere Räume umziehen können. Einen Umzug der protestierenden Flüchtlinge aus der Jördenstorfer Notunterkunft in einen anderen Ort lehnte Constien ab.

Bürgermeister: "Bisher keine solchen Probleme"

In dem Ort sind Flüchtlinge in einer ehemaligen Berufsschule als Notunterkunft und in einem zum Teil bereits umgebauten früheren Internat als reguläre Unterkunft für Asylbewerber untergebracht. "Bisher hat es solche Proteste aber nicht gegeben", sagte Bürgermeister Reinhard Engel (SPD). Die meisten Flüchtlinge stammten demnach aus Syrien. In der Notunterkunft seien meist rund 100 Flüchtlinge untergebracht - bei hoher Fluktuation. In dem früheren Internat dagegen nur 60 bis 80. Es sei schwierig gewesen, überhaupt einen Ansprechpartner unter den Protestierenden zu finden, sagte der Polizeisprecher.

Weitere Informationen

Flüchtlinge in Norddeutschland

Viele Flüchtlinge sind in Norddeutschland angekommen. Auf NDR.de finden Sie aktuelle Meldungen und Hintergründe rund um das Thema sowie Informationen speziell für Flüchtlinge. mehr

Flüchtlingshelfer wollen sich stärker vernetzen

In Neubrandenburg haben sich 120 Flüchtlingshelfer über ihre Arbeit ausgetauscht. In Zukunft wollen sich Ehrenamtliche und Profis in der Flüchtlingsarbeit noch besser vernetzen. mehr

Anschlag auf Flüchtlingsheim: Haftstrafen gefordert

Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Groß Lüsewitz sind die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Angeklagten fünf Jahre und zwei Monate Gefängnis. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.03.2016 | 13:00 Uhr