Stand: 05.03.2016 14:23 Uhr

Der ganze Nordosten wird "Wolfserwartungsgebiet"

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) will in Kürze das gesamte Bundesland zum sogenannten Wolfserwartungegebiet erklären. Dies gab der Minister am Sonnabend auf der Jahrestagung des Landesjagdverbands in Linstow (Landkreis Rostock) bekannt. Tierhalter könnten dann landesweit - statt bisher nur in bestimmten Gebieten - Gelder für vorbeugende Schutzmaßnahmen und Entschädigungen bei Wolfsattacken beantragen. Hintergrund sei die fortschreitende Ausbreitung des Wolfes im Nordosten Deutschlands. Zuletzt gab es Hinweise, dass der Wolf neben der Lübtheener und Ueckermünder Heide nun auch wieder an der Müritz heimisch ist.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Jäger: Schutzstatus des Wolfes ändern

Vertreter der Jägerschaft forderten Backhaus auf, sich bei der EU stärker dafür einzusetzen, dass der Wolf einen anderen Schutzstatus bekommt. Dann könne der Bestand auch über Jäger reguliert werden. Die Jäger meinen, dass die deutschen Wölfe eine Population mit den Raubtieren in Polen und dem Baltikum bilden, deren Bestand nicht mehr gefährdet ist. "Es kann nicht sein, dass in Tschechien und Schweden Wölfe geschossen werden, aber bei uns nicht", kritisierte Landesjagdverband-Präsident Volker Böhning. "Wir werden alles dafür tun, dass der Wolf nicht illegal gejagt wird", stellte Böhning klar. "Aber wir müssen natürlich auch die gesamte Entwicklung des Bestandes im Auge behalten."

Probleme mit Waschbären und Wildschweinen

Laut Böhning werden auch die Waschbären zunehmend zum Problem. Die Jäger im Nordosten hätten im vergangenen Jahr zwar mehr als 5.000 erlegt, doch die weitere Ausbreitung des Raubtieres könne das nicht verhindern. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass Raubtiere wie Waschbären immer noch nicht in Gebieten wie dem Müritz-Nationalpark gejagt werden dürfen", kritisierte Böhning. Damit stelle sich das Land gegen eine Festlegung der EU, die angesichts des Rückgangs bei bestimmten Vogelarten eingewanderte Raubtiere auch stärker bejagt haben wolle. Auch Backhaus befürwortete eine solche Bejagung - im Interesse des Niederwildes. Dies sollte nach der Landtagswahl im Herbst angegangen werden. Die Jäger fordern eine Überprüfung der Nationalparkjagdverordnung. So seien auf der Halbinsel Fischland-Darß bei Wustrow die Deiche massiv durch Wildschweine zerstört worden. Dort müsse die Jagd unbedingt wieder erlaubt werden. 

Bessere bleifreie Munition gefordert

Mit Sorge blickt der Landesjagdverband auf mehrere Gesetzesnovellen, die unter anderem bleifreie Munition und häufigeres Training im Schießstand vorsehen. Wenn beides zur Pflicht wird, sieht Wilfried Röper vom Kreisjagdverband Ludwigslust ein handfestes Problem: "Jeder Jäger soll in Zukunft mindestens einmal im Jahr auf den Schießstand gehen, seine Waffe ausprobieren und sein Handwerk praktsich unter Beweis stellen." Gerade mit Blick auf die Verwendung bleifreier Munition entstünden durch die Umrüstung der Schießstätten hohe Kosten. So müssten Blenden in engerer Abfolge gesetzt werden und beim "Laufenden Keiler" würde eine Überdachung erforderlich. Verbandspräsident Böhning forderte Politik und Munitionshersteller zudem auf, Jägern effektivere bleiminimierte Munition zur Verfügung zu stellen. Eine Studie habe ergeben, dass vier von fünf geschossenen Tieren nicht mehr so schmerzfrei sterben wie mit herkömmlicher Munition. Tierschutz müsse genauso wichtig sein, wie weniger Blei in der Munition.

Keine Nachwuchssorgen

Nachwuchssorgen hat der Landesjagdverband im Moment nicht, Lehrgänge für Jungjäger sind in Mecklenburg-Vorpommern gut besucht. Unter den Prüflingen sind auch immer mehr junge Frauen, die 10.000 gestandenen Jäger im Lande freut das. Um die Akzeptanz des Waidhandwerks in der Bevölkerung wieder zu erhöhen, haben die Jäger zusammen mit Fischern, Anglern und Landwirten eine Initiative "Pro Natur" gegründet. Diese vertritt rund 60.000 Mitglieder und soll den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die traditionelle Naturnutzung wieder nahe bringen. Dazu wollen Jäger Interessierte bei der Aktion "Jagd erleben" auch auf Hochstände mitnehmen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.03.2016 | 12:00 Uhr