Stand: 26.01.2016 12:09 Uhr

Höhere Kita-Beiträge sorgen für Unmut in MV

von Michael Weidemann, NDR Info

Die Kita-Streiks im vergangenen Herbst haben Erzieherinnen und Erziehern ein sattes Gehaltsplus beschert, im Durchschnitt etwa 3,5 Prozent. Die Tariferhöhung schlägt sich jetzt in den neuen Kita-Beiträgen nieder. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern müssen Eltern deutlich mehr zahlen. Ein Grund dafür: Ihre Heimatgemeinden zahlen ausgerechnet jetzt geringere Zuschüsse.

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Das Diakonische Werk beobachtet Beitragserhöhungen in den Kitas von bis zu 30 Prozent.

Spielzeit in der Kita - für mehr als drei Viertel aller Kleinkinder in Mecklenburg-Vorpommern gehört das zum regelmäßigen Tagesablauf. Die knapp zweijährige Mathilda geht in eine Krippe mit verlängerten Öffnungszeiten - ein Segen für ihre Eltern, die zu versetzten Zeiten arbeiten. Umso schockierter war Mathildas Mutter Ulrike Speer, als sie vor ein paar Tagen einen neuen Gebührenbescheid bekam: 65 Euro mehr im Monat verlangt der Trägerverein der Krippe für die Betreuung. "Das ist schon heftig, das muss man einplanen", sagt Speer. "Wenn wir zum Beispiel zwei Kinder hätten, dann wäre es fast gar nicht mehr möglich, beide Kinder in die Krippe zu geben. Das ist dann schon ein enormer Kostenaufwand."

Druck auf gemeinnützige Träger steigt

Das Beispiel der Speers ist kein Einzelfall. In mehreren Städten in Mecklenburg-Vorpommern müssen Familien derzeit auf saftige Beitragserhöhungen gefasst sein. Landespastor Martin Scriba vom Diakonischen Werk beobachtet in Kindertagesstätten von kommunalen Trägern Preissteigerungen für die Eltern von dreißig Prozent: "Die gemeinnützigen Träger werden nach und nach nachziehen müssen. Auch unsere Personalkosten steigern sich ja."

Der Tarifabschluss und die Folgen

Tatsächlich sind es in erster Linie höhere Tariflöhne, die die Beiträge verteuern. Das sind die Folgen des Kita-Streiks vom vergangenen Herbst und der Einigung zwischen den Gewerkschaften und Arbeitgebern. "Die Erzieherinnen und Erzieher haben jeden Euro mehr verdient", meint ein Vater von vier Kindern auf Nachfrage von NDR Info. Er fordert finanzielle Unterstützung von den Kommunen ein: "Es ist nicht möglich, das komplett ohne Zuschuss vom Landkreis oder der Stadt alleine zu bezahlen. Auf jeden Fall nicht bei drei oder vier Kindern und nur einem Gehalt. Das wäre dann ökonomisch unrentabel arbeiten zu gehen."

Der Kostendruck auf die Familien nimmt zu, obwohl das Land seine Förderung jedes Jahr um zwei Prozent steigert. Denn um die höheren Tarifabschlüsse abzufangen, reicht das nicht. Den Fehlbetrag müssen sich die Eltern mit der Gemeinde, in der sie wohnen, teilen - laut Gesetz je zur Hälfte. Manche Kommune hat freiwillig höhere Zuschüsse gezahlt - und nimmt das wegen der prekären Finanzlage nun wieder zurück.

Beitragsfreie Kita-Betreuung bleibt vorerst ein Wunschtraum

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Eine beitragsfreie Kitabetreuung könne das Land Mecklenburg-Vorpommern laut Sozialministerin Birgit Hesse zurzeit nicht finanzieren.

In vielen Familien in Mecklenburg-Vorpommern führt das zum GAU in der Haushaltskasse. Die Tariferhöhungen müssten anders refinanziert werden, meint Daniel Taprogge von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Wir fordern, dass das Land die Kosten trägt - Land und Jugendamt, also der örtliche Träger - und dass die Beiträge von Eltern und auch der Wohnsitzgemeinde gedeckelt werden."

Politisch wünschenswert, erwidert Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Birgit Hesse (SPD), wäre das tatsächlich. Noch besser wäre es, die Kitas völlig beitragsfrei zu machen: "Das würde auch ich begrüßen, selbstverständlich. Das Problem dabei ist nur, und das muss man der Ehrlichkeit halber auch sagen, dass das sehr, sehr teuer wird. Und wir als Land Mecklenburg-Vorpommern nicht in der Lage sind, das zum jetzigen Zeitpunkt zu stemmen."

130 Millionen Euro jährlich würde es kosten, alle Landeskinder von null bis sechs umsonst zu betreuen, hat das Ministerium ausgerechnet. Davon können die Eltern, die in diesen Tagen mit den Beitragserhöhungen konfrontiert werden, nur träumen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 26.01.2016 | 07:20 Uhr