Stand: 24.07.2015 13:43 Uhr

Hilfe für Flüchtlinge? Senator erntet Shitstorm

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In sozialen Netzwerken attackiert: Rostocks Sozialsenator Bockhahn. (Archivbild)

Der Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn (Die Linke) ist seit drei Tagen Ziel eines Shitstorms in sozialen Netzwerken. Bockhahn hatte auf Facebook vorgeschlagen, die frei werdenden Mittel aus dem Betreuungsgeld auch für die Flüchtlingsarbeit einzusetzen. Dafür erntete der 36-Jährige Todesdrohungen und Beleidigungen in den Kommentarspalten seiner Facebook-Seite. Immer wieder attackieren Schreiber ihn wegen seines Vorschlags. Teilweise schlägt ihm in den mehr als 500 Kommentaren blanker Hass entgegen. Experten des Staatsschutzes haben Ermittlungen aufgenommen. Sie sichten möglicherweise strafbare Kommentare, um gegen die Urheber vorzugehen.

Vorschlag: Kommunen bei Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge helfen

Bockhahn hatte geschrieben, dass es sehr sinnvoll wäre, die frei werdenden Mittel dafür zu verwenden, die Kommunen bei der Aufnahme und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu unterstützen. Als Rostocker Sozialsenator ist der Linken-Politiker zuletzt immer wieder mit solchen Fällen konfrontiert worden. Auch in Rostock kämen immer mehr Flüchtlingskinder ohne Begleitung an. Ihre Betreuung sei ihm wichtig, sagte er NDR 1 Radio MV. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Dienstag das Betreuungsgeld für die heimische Erziehung von Kleinkindern gekippt. In Mecklenburg-Vorpommern wird bislang für 1.775 Kinder Betreuungsgeld gezahlt - das betrifft neun Prozent aller Eltern. In Baden-Württemberg liegt der Anteil mit 66 Prozent bedeutend höher.

"Jeder blamiert sich selbst, so gut er kann"

Bockhahn versucht, mit bitterem Humor und Argumenten gegen die Ablehnung anzuschreiben. "Jeder blamiert sich selbst, so gut er kann", schrieb er etwa. Die Drohungen und Pöbeleien nehme er nicht wichtig, sagte Bockhahn. Das eigentlich Dramatische an der Geschichte sei der Verlust an Menschlichkeit. Es gehe um Flüchtlingskinder, deren Betreuung sei ihm wichtig. Nur wenige Kommentatoren sprangen dem Sozialsenator bei und versuchten, die Debatte zu versachlichen. Auch diese Nutzer wurden beleidigend attackiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.07.2015 | 12:00 Uhr