Stand: 26.07.2017 17:21 Uhr

Güstrow: Drei mutmaßliche Islamisten in Gewahrsam

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Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten am Mittwoch mehrere Gebäude in Güstrow und Umgebung.

Spezialkräfte der Polizei haben bei einem Antiterror-Einsatz in Güstrow (Landkreis Rostock) und Umgebung drei Männer in Gewahrsam genommen. Dabei handelt es sich nach NDR Informationen um Männer mit islamistischem Hintergrund. Bei der Aktion, an der neben Spezialeinsatzkräften auch die Antiterror-Einheit GSG 9 beteiligt war, wurden seit den frühen Morgenstunden mehrere Gebäude durchsucht. Die Bundesanwaltschaft ermittle wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wie ein Sprecher der Behörde NDR 1 Radio MV auf Anfrage mitteilte. Einen islamistischen Hintergrund bestätigte der Sprecher nicht. Die Ingewahrsamnahme durch die Landespolizei sei aus Gründen der Gefahrenabwehr erfolgt, hieß es weiter.

"Ungewöhnliche Aktivitäten" zwingen die Einsatzkräfte zum Handeln

Wie der SWR berichtete, liefen laut Bundesanwaltschaft bereits seit mehreren Tagen Ermittlungen gegen die drei Verdächtigen. Die Beschuldigten seien durch Sicherheitsbehörden beobachtet worden. Am Dienstagabend hätten die Ermittler demnach "ungewöhnliche Aktivitäten" festgestellt. Deswegen habe sich die Polizei unabhängig vom Ermittlungsverfahren zum Handeln entschlossen.

Bundesanwaltschaft will Ermittlungen nicht gefährden

Darüber, wie viele Polizisten beteiligt waren, gab es von offizieller Seite keine Auskunft. Aus der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe verlautete am Mittwochmittag, dass zunächst keine weiteren Informationen zu dem Einsatz bekanntgegeben würden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Zunächst hatte es noch geheißen, dass Einzelheiten am Nachmittag mitgeteilt werden sollen. Der Sprecher bestätigte zudem, dass die Karlsruher Bundesanwaltschaft wegen der besonderen Bedeutung des Verdachts die Ermittlungen übernommen hat. Flankiert würden diese Ermittlungen durch den Einsatz des Landes- wie des Bundeskriminalamtes. Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ist für den Staatsschutz und die innere Sicherheit zuständig. Ermittlungen werden zum Beispiel im Zusammenhang mit politisch motivierten Delikten und bei terroristischen Gewalttaten aufgenommen.

Caffier lobt "Schlag gegen islamistischen Terror"

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach von einem erfolgreichen Schlag gegen den islamistischen Terror. Durch die konsequente Ermittlungsarbeit aller Beteiligten habe zielgerichtet eingegriffen werden können. So sei eine konkrete Gefahrenlage verhindert worden, "um die Gegner von Freiheit und Demokratie aufzuspüren und zu bekämpfen", so Caffier. Er habe immer betont, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass auch Mecklenburg-Vorpommern als Rückzugsort für potenzielle Attentäter genutzt werde. Die Sicherheitskräfte im Land hätten sich gegen alle Eventualitäten gewappnet und im richtigen Moment zugeschlagen. Caffier lobte die Zusammenarbeit der Behörden von Bund und Land am Mittwoch ausdrücklich. Seit Längerem arbeite man intensiv zusammen und beobachte relevante Personen, so Caffier. Insofern habe ihn der Einsatz nicht überrascht. Weitere Informationen gehörten laut Caffier in die Parlamentarische Kontrollkomission.

Wohnungen auch nach Sprengstoff durchsucht

Bei der Aktion am Mittwochmorgen wurden in Güstrow und in dem Dorf Boldebuck mehrere Wohnungen und Gebäude durchsucht. Betroffen waren auch Angehörige der drei Verdächtigen. Zudem kam offenbar auch der Munitionsbergungsdienst des Landes zum Einsatz. Ob auch Sprengstoff gefunden wurde, ist noch unklar. Anwohner waren laut eigenen Aussagen am frühen Mittwochmorgen zwischen 3 und 4 Uhr durch Lärm und Lichtblitze aus dem Schlaf aufgeschreckt worden.


26.07.2017 16:06 Uhr

In der früheren Version war von Festnahmen die Rede. Inzwischen sprechen die Behörden ausdrücklich nicht von vorläufigen Festnahmen, da die Männer nur auf Grundlage des Gefahrenabwehrrechts von der Polizei festgehalten werden. Wir haben die entsprechenden Passagen aktualisiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.07.2015 | 15:00 Uhr

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