Stand: 04.12.2015 17:13 Uhr

Große Tümmler in der Wismarbucht gesichtet

Seltener Besuch an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns: Auf einer Ausfahrt mit ihrem Boot sind Fischerei-Kontrolleure in der Wismarbucht von zwei Delfinen begleitet worden. "Die beiden Tiere haben uns begleitet, schwammen unter dem Boot durch und sprangen aus dem Wasser", sagte Christian Schmiedeberg, eines der Besatzungsmitglieder. Die Kontrolleure machten Aufnahmen von den Tieren und schickten sie ans Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Dessen Experten bestätigten nun, dass es sich bei den beiden Delfinen um Große Tümmler (Tursiops truncatus) handelt. "Die Tiere sind als Irrgast in die Ostsee gelangt", sagte Meeresmuseum-Direktor Harald Benke. Große Tümmler, die zwei bis vier Meter groß werden können, seien in der Nordsee und im Atlantik heimisch, so Benke.

Überhaupt erst fünf Tümmler-Sichtungen an deutscher Ostseeküste

Bei dem Duo handelt es sich den Angaben des Wissenschaftlers zufolge überhaupt erst um die fünfte Beobachtung der Tierart vor der deutschen Ostseeküste. Erstmals seien Große Tümmler am 6. Mai 1842 vor Stralsund beobachtet worden. 1852 sei eine ganze Gruppe im Greifswalder Bodden gesichtet worden. Weitere Beobachtungen sind demnach 1870 vor Kiel und 1882 für Lübeck verzeichnet. Zuletzt war 2007 ein totes, in der Ostsee treibendes Tier von einem Schiff auf der Fahrt nach Eckernförde in Schlepptau genommen worden.

Zuvor in Schleswig-Holstein und Schweden gesichtet

Die beiden Tiere waren laut Benke zuletzt in der Lübecker Bucht bei Scharbeutz und Neustadt gesichtet worden. Davor hatten offenbar dieselben Tiere an Schwedens Ostküste für Aufsehen gesorgt. Dort wurden sie "Selfie" und "Delfine" genannt, eine Facebook-Gruppe mit 1.400 Mitgliedern wurde eigens für die beiden gegründet. Letztmalig wurden die Tiere dort am 27. November gesehen. Möglicherweise handele es sich sogar um die Tiere, die im Juni bei Fehmarn gesehen worden waren, sagte Benke.

Gute Überlebenschancen

Das Geschlecht der Tiere konnten die Forscher bislang nicht identifizieren. Sie machten aber einen wohlgenährten Eindruck, sagte Benke. Der Meeresforscher hofft, dass die Delfine nicht das gleiche Schicksal ereilt wie das eines verirrten Schnabelwals vor zwei Monaten. Das seltene Tier hielt sich über drei Wochen in der Wohlenberger Wiek bei Wismar auf und war später tot an Schwedens Südküste angespült worden. Die Überlebenschancen für die Tümmler bezeichnete Benke hingegen als gut. Bei den beiden handelt es sich möglicherweise um Delfine, die die Nähe des Menschen suchten. Große Tümmler können aber auch aggressiv werden. Menschen sollten deshalb Abstand halten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.12.2015 | 05:00 Uhr