Stand: 23.03.2016 07:35 Uhr

"Glücklicherweise eine Stunde eher ins Parlament"

Bild vergrößern
Werner Kuhn ist froh, von seiner üblichen Routine abgewichen zu sein: "Da hat der Allmächtige die Hand über mich gehalten." (Archivbild)

Ausnahmezustand in Brüssel: Am Dienstag explodieren dort mehrere Bomben. Zunächst am Flughafen, etwas später auch in der U-Bahn-Station Maelbeek in der Nähe der Europäischen Kommission und des EU-Parlaments. Die Behörden gehen von Selbstmordanschlägen aus - inzwischen hat sich der sogenannte Islamische Staat dazu bekannt.

"Da habe ich schon gemerkt, dass einem da die Knie zittern"

Auch Werner Kuhn, Europaabgeordneter der CDU aus Mecklenburg-Vorpommern, ist an diesem Morgen im Brüsseler Europaviertel. Er ist bereits um 8 Uhr im Parlament, wo ihn gut eine Stunde später die Meldungen über den Angriff auf die U-Bahn-Station Maelbeek erreichen. Die Strecke fährt Kuhn jeden Morgen - und wie viele andere Mitarbeiter und Abgeordnete steigt er an genau dieser Station aus und geht zu Fuß zum Parlament. Die Nachricht über den Anschlag habe ihn sehr getroffen: "Da habe ich schon gemerkt, dass einem da die Knie zittern", schildert Kuhn im Gespräch mit dem NDR. "Glücklicherweise bist du heute eine Stunde eher ins Parlament gegangen - warum auch immer", habe er sich gedacht, so Kuhn. Denn üblicherweise nutze er die Bahn genau zur Zeit des Anschlages um 9 Uhr herum.

Schülergruppe aus Rostock in Sicherheit

Der Abgeordnete erwartet noch den Besuch einer Schülergruppe vom Rostocker Christophorus-Gymnasium - "Das war natürlich sofort obsolet", so Kuhn. Er habe der Lehrerin eine SMS geschrieben und gesagt, sie solle nicht ins Parlament kommen. Mit ihren Schülern blieb sie in ihrer Unterkunft und wartete ab, berichtet Kuhn: "Das war eine ganz richtige Entscheidung und ich bin froh darüber, dass es den jungen Leuten und der Lehrerin gut geht."

Am Abend hat sich Kuhn dann doch noch spontan mit der Klasse getroffen, wie er am Mittwochmorgen berichtete. Man habe bei einem Bier die schrecklichen Ereignisse des Tages Revue passieren lassen. "Das war dann nachher wirklich noch eine herzerfrischende Stimmung nach all den Grausamkeiten des Tages."

Gezielter Angriff auf die Anfahrtsstrecke der EU-Mitarbeiter

Im EU-Parlament seien die Sicherheitsvorkehrungen sofort massiv verstärkt worden, schildert Kuhn die Zeit nach den Anschlägen. Das Viertel wurde großräumig abgesperrt. Bei der angegriffenen Metro-Strecke handele es sich um "die Zufahrtsstraße zur Europäischen Kommission und zum Parlament per U-Bahn. Und da ganz genau wollten die Terroristen ihren Anschlag platzieren und haben es auch geschafft", resümiert Kuhn.

Weitere Informationen

Ostergottesdienste erinnern an Anschlagsopfer

Die Nordkirche will in den Gottesdiensten zu Karfreitag und Ostern der Opfer der Brüsseler Anschläge gedenken. Norddeutsche Politiker verurteilten die Terrorakte. mehr

Link

Nach den Terror-Anschlägen von Brüssel

Mindestens vier Attentäter, zwei sind als polizeibekannte Brüder aus Belgien identifiziert, ein Dritter ist vielleicht identifiziert. Der vierte Mann ist flüchtig. Wer ist er? Und gibt es Verbindungen zu den Paris-Anschlägen? Der Ermittlungsstand in Brüssel. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.03.2016 | 18:15 Uhr