Stand: 15.05.2012 16:16 Uhr

Gleis ohne Wiederkehr: Darß-Bahn vor dem Aus

von Stefan Ludmann
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Für die Wiederbelebung der alten Bahnstrecke zwischen Barth und Zingst fehlt offenbar das Geld. (Symbolbild)

Das einzige Bahn-Neubauprojekt der rot-schwarzen Landesregierung, die sogenannte Darß-Bahn, steht offenbar vor dem Aus. Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) sieht zur Zeit keine Chance, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage von NDR 1 Radio MV hervor.

 

Keine Planung wegen fehlender Millionen

Eigentlich war es das Ziel der rot-schwarzen Koalition, die alte Bahnstrecke zwischen Barth und Zingst in einer wichtigen Tourismusregion wiederzubeleben. So haben es SPD und CDU in ihrem Vertrag in Punkt 101 festgelegt. Voraussetzung war allerdings eine gesicherte Finanzierung. Auf etwa 38 Millionen Euro schätzt Schlotmann die Gesamtkosten.

Doch weil das Geld in seinem Ministerium fehlt und auch der Bund nichts geben will, ist die Darß-Bahn wohl schon wieder Geschichte. Aus dem Ministerium heißt es: "Derzeit kann keine Aussage zur möglichen Finanzierung getroffen werden." Eine "Detailplanung" liege nicht vor, auch Angaben zur Wirtschaftlichkeit der Darß-Bahn gebe es nicht. Beides müsse aber erstellt werden, um eine "endgültige Aussage des Landes" zu treffen.  

Zukunft des Nothafens ebenfalls offen

Schlotman sieht offenbar aber keinen Bedarf, die Vorbereitungen  voranzutreiben. Im geplanten Haushalt des Landes für dieses und nächstes Jahr sind dafür keine Mittel vorgesehen. Neben der Darß-Bahn ist ein weiteres wichtiges Verkehrsprojekt in der Region ungelöst. Die Zukunft des Nothafens Darßer Ort ist noch nicht geklärt. Das Projekt eines wichtigen Ersatzhafens vor der Küste des Ostseebades Prerow ist bisher nicht vorangekommen.

Landkreis, Städte und UBB kündigen Widerstand an

Der Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher (CDU), reagierte überrascht und kündigte Widerstand an. Der Kreis wolle um das Projekt kämpfen, so Drescher. Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) und der Chef der Usedomer Bäderbahn (UBB), Jörgen Bosse, reagierten ebenfalls kritisch. Die UBB hatte erst Anfang des Jahres die Detailplanung beim Eisenbahnbundesamt eingereicht, wo sie derzeit geprüft wird.

Auszug aus dem Koalitionsvertrag

101. Die Koalition sichert einen bedarfsgerechten Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Bei der bundesweiten Aufteilung der Regionalisierungsmittel wird sich die Landesregierung dafür aussprechen, dass die Belange dünn besiedelter Flächenländer besonders gewichtet werden. Als Aufgabenträger wird sie bei ihren Bestellungen im Interesse der Fahrgäste auch auf Pünktlichkeit, Sicherheit und Sauberkeit achten. Die Landesregierung spricht sich in Einzelfällen auch für eine wirtschaftlich tragfähige Ausweitung des Schienennetzes aus ("Darß-Bahn").

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Frühaufsteher | 12.07.2016 | 05:00 Uhr

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