Stand: 28.02.2016 10:47 Uhr

German-Pellets-Pleite: Info-Portal für Anleger

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German Pellets ist mit 18 Produktionsstandorten einer der weltgrößten Hersteller von Holz-Pellets. (Archivbild)

Die Zahl der von der Insolvenz des Wismarer Brennstoffherstellers German Pellets betroffenen Gläubiger ist möglicherweise größer als bisher vermutet. Bisher war von rund 12.000 Betroffenen die Rede, die hochverzinste Anleihen der Gruppe erworben hatten. "Es könnten aber auch deutlich mehr sein", sagte ein Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde. Die Anleger können sich ab Montag online registrieren lassen. Dazu sei eigens eine Internet-Seite eingerichtet worden, so der Sprecher weiter. Die Insolvenzverwaltung könne nicht in allen Fällen Einzelanfragen beantworten, hießt es auf der Seite.

Termin für Insolvenzverfahren noch offen

Die Seite informiert zudem über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen. Konkrete Forderungen könnten die Inhaber von Anleihen, Genussscheinen und Genussrechten aber erst nach Eröffnung des jeweiligen Insolvenzverfahrens geltend machen, so der Sprecher weiter. Ein Termin hierfür steht den Angaben zufolge noch nicht fest, denn die Bestandsaufnahme in dem weit verzweigten Geflecht von weltweit knapp 30 Firmen dauere an. Zuvor war von einer möglichen Verfahrenseröffnung Anfang April die Rede. Dies wäre für die Beschäftigten wichtig, für die nur bis März Insolvenzgeld gezahlt wird.

Experte macht Anlegern wenig Hoffnung

Derweil stuft der Restrukturierungsexperte Andreas Ziegenhagen die Chance für die Anleger, ihr Geld zurückzubekommen, als gering ein. Wegen der negativen Kursentwicklung hätten die Anleihen schon seit längerem unter Beobachtung gestanden. "Im Urteil des Marktes galt eine Rückführung der Mittel an die Geldgeber als zweifelhaft", so der Experte von der Kanzlei Dentons. Ziegenhagen hält zudem die Suche nach neuen Investoren für schwierig, weil die Produktion mittlerweile weitgehend ruhe.

"Gewartet, bis es nicht mehr ging"

"Durch das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur wird das Unternehmen zwar von Lohnkosten entlastet. Aber es kommt auch kein Geld rein", sagte Ziegenhagen. Die Produktion bei fehlender Liquidität zu starten sei eine große Herausforderung, weil es Rohstoffe nur auf Vorkasse gebe. Der Besitzer des Unternehmens habe mit dem Insolvenzantrag "gewartet, bis es nicht mehr ging".

Erste Anzeigen von Privatanlegern

German Pellets mit seinen 18 Produktionsstandorten ist einer der weltgrößten Hersteller von Holz-Pellets. Der Wismarer Konzern ist mit rund 420 Millionen Euro verschuldet, mehr als die Hälfte davon aus Anleihen. Am 10. Februar meldete German Pellets Insolvenz an. Kurz zuvor war eine Gläubigerversammlung von Anlegern kurzfristig abgesagt worden. Zum 1. April wird eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro fällig. Bei der Staatsanwaltschaft in Rostock gingen derweil erste Anzeigen wegen Betruges von Privatanlegern ein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.02.2016 | 12:00 Uhr