Stand: 14.11.2017 16:39 Uhr

Frauenhäusern in MV fehlen finanzielle Mittel

Wenn Frauen zu Hause Gewalt erleben, wenn der Partner sie oder die Kinder prügelt, können Frauen Schutz suchen in Frauenhäusern. Pro Jahr werden in Mecklenburg-Vorpommern 4.000 Frauen und 3.500 Kinder in den neun Frauenhäusern und Beratungsstellen beraten oder betreut. Aber die Träger klagen, dass ihnen das Geld ausgeht, um die Häuser weiterzuführen. Das Land spare auf Kosten der Betroffenen und der Mitarbeiter, sagen sie.

Pressekonferenz.

Mehr Geld für Frauenhäuser gefordert

Nordmagazin -

Die Träger von Frauenhäusern und Beratungsstellen fordern vom Land mehr Geld für ihre Arbeit. Die Landeszuschüsse seien seit 2005 nicht gestiegen, so die Kritik.

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Ein ausgesessenes Problem?

Am Dienstag suchten Vertreter von Frauenhäusern in Schwerin die Öffentlichkeit. "Wir können unsere Kolleginnen einfach nicht mehr anständig bezahlen", sagt Ulrike Bartel. Sie leitet das Rostocker Frauenhaus. 70 Opfer häuslicher Gewalt werden dort pro Jahr betreut. Seit 2005 seien die Mittel nicht erhöht worden, klagt sie: "Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Und dann fragen sich alle immer, wo das Geld denn bleibt? Warum wird das nicht in die soziale Infrastruktur des Landes investiert?" Dass die Politiker die Ignoranz besäßen, das Problem für die nächsten zwei Jahre auszusitzen, obwohl es so vehement deutlich gemacht wurde, sei einfach völlig unverständlich, findet Bartel.

Videos
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Hilfe bei häuslicher Gewalt

14.02.2017 19:30 Uhr
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Gisela Best ist Landeskoordinatorin gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in MV. Sie arbeitet an einem Hilfenetz, das Opfern und Tätern einen Weg aus der Gewalt ermöglicht. Video (03:50 min)

Schlechte Bezahlung der Mitarbeiter

Seit zwölf Jahren gebe das Land 25.335 Euro pro Stelle aus. Die Landkreise und Kommunen geben Geld dazu. Reinhard Marschner, Leiter des Frauenhauses in Neubrandenburg, rechnet vor, dass er mit den Mitteln einer studierten vollzeitbeschäftigen Diplomsozialpädagogin 2.500 Euro brutto anbieten könne. Ohne Aussicht auf eine Gehaltserhöhung. "Das Land stellt berechtigter Weise eine hohe Forderung an Qualifizierung, dafür sind wir auch. Aber das Land ist nicht bereit, die erforderlichen Mittel dafür bereitzustellen."

Stellen monatelang unbesetzt

Die Folge: Freie Stellen blieben monatelang unbesetzt. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) kann die Enttäuschung darüber, dass die Förderung der Personalkosten nicht gestiegen ist, durchaus nachvollziehen. Immerhin habe ihr Haus aber dafür gesorgt, dass die sechs kleinen Frauenhäuser mit nur zwei Stellen jeweils eine dritte erhalten. Eine dritte Stelle sei schön, loben die Träger. Die Bezahlung jeder einzelnen Stelle bleibe aber schlecht. Außerdem müssen die Kreise ja auch wieder Geld dazugeben - und da sehe es düster aus, sagt Reinhard Marschner: "Für Neubrandenburg habe ich schon die Absage. Die Finanzierung bekomme ich vom Landkreis nicht. Dafür ist kein Geld da." Wenn das Land diese dritte Stelle haben wolle, so Marschner, dann müsse diese auch zu 100 Prozent vom Land finanziert werden.

Acht Frauenhäuser mussten aufgegeben werden

Er habe den Eindruck, Sparstrumpf der Landesregierung zu sein, erklärt der Geschäftsführer der AWO Schwerin-Parchim, Axel Mielke: "Wenn sich die Ministerpräsidentin hinstellt und sagt, sie wollen für alle tarifliche Löhne haben, aber das Geld wird nicht ins System gegeben, passt das aus unserer Sicht nicht zusammen." Die Frustration ist groß bei den Trägern. Acht Frauenhäuser haben in den vergangenen 15 Jahren aufgegeben - aus finanziellen Gründen. Wie lange die anderen noch weitermachen können, ist unsicher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.11.2017 | 17:15 Uhr

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