Stand: 17.10.2017 17:00 Uhr

Flüchtlingsmädchen Reem: "Endlich Sicherheit"

von Judith Greitsch, NDR 1 Radio MV
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Mittlerweile ist Reem 17 Jahre alt. Ihre Begegnung mit Bundeskanzlerin Merkel machte sie zur Hoffnungsträgerin für viele Menschen.

Das Rostocker Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil darf in Deutschland bleiben. Die mittlerweile 17-Jährige war vor zwei Jahren durch ihre Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bundesweit bekannt geworden. Vergangenen Donnerstag hat Reem das Dokument zur unbegrenzten Aufenthaltserlaubnis in Deutschland beim Rostocker Migrationsamt abholen können.

Ein ganz besonderer Tag - exklusiv erzählt Reem dem NDR, wie froh sie nun ist, "endlich ein Gefühl von Sicherheit zu spüren. Ich bin glücklich darüber, endlich so zu sein wie alle anderen." Mit der Erlaubnis ist Reem vor einer Abschiebung sicher. Außerdem ist das Dokument Voraussetzung für eine mögliche spätere Einbürgerung des fließend Deutsch sprechenden Mädchens.

Reem - Zwei turbulente Jahre

"Viel entspannter als zuvor"

Für die 17-Jährige und ihre Familie geht damit eine lange Phase der Ungewissheit zu Ende. Reems letzte Aufenthaltsgenehmigung galt lediglich bis Oktober 2017. Noch im Sommer hatte Reem gesagt: "Es stresst mich manchmal sehr, weil einfach so eine Sicherheit fehlt. Aber mittlerweile ist man dran gewöhnt, weil es ja nicht das erste Mal ist, sondern es andauernd wiederholt wird."

Heute ist Reem allgemein viel entspannter als noch vor wenigen Wochen, so beschreibt sie es. Doch das endgültige Glücksgefühl "wird erst dann da sein, wenn auch der Rest meiner Familie eine Form dieser Sicherheit besitzt und wir meine Großfamilie besuchen können", betont sie. Denn aktuell sind die Aufenthaltsgenehmigungen für Reems Eltern und die beiden jüngeren Geschwister weiterhin unterschiedlich befristet.

Erlaubnis eröffnet neue Möglichkeiten

Sehr froh ist Reem auf jeden Fall darüber, was die unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis nun alles für sie möglich macht; beispielsweise Perspektiven für ihren weiteren Bildungsweg in Deutschland und auch die Möglichkeit uneingeschränkt zu reisen. Wobei "uneingeschränkt" relativ ist, sie darf sich nun innerhalb der Grenzen der Europäischen Union frei bewegen.

Für die Reise, die ihr ganz besonders wichtig ist, nämlich zu ihrem kranken Großvater in den Libanon, muss sie aber eine Reisegenehmigung beantragen. Sie hofft sehr, dass diesem Antrag ohne Komplikationen stattgegeben wird. Erst vor rund zwei Monaten ist ihre Großmutter gestorben, Reem hat sie leider im Libanon nicht mehr besuchen können.

Schlagartig bekannt geworden

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Ihr Auftritt in einer Diskussionsrunde mit Merkel hatte die damals 14-jährige Reem im Juli 2015 in die Schlagzeilen gebracht. Sie erzählte, dass sie als Palästinenserin aus dem Libanon geflohen ist und ihrer Familie und ihr die Abschiebung drohte. Merkel zeigte Verständnis und begann zunächst mit routiniert wirkenden Erklärungen. Doch als Reem zu weinen begann, geriet Merkel ins Stocken, ging zu ihr hin und versuchte, sie zu trösten. "Du hast das doch prima gemacht", sagte sie. Als der Moderator des Bürgerdialogs daraufhin erklärt, dass es nicht darum geht, wie sie das gemacht habe, sondern um eine belastende Situation, bügelte Merkel ihn barsch ab. "Das weiß ich, dass es um eine belastende Situation geht. Und deshalb möchte ich sie trotzdem einmal streicheln."

Turbulente Zeiten

In der Folgezeit schlugen die medialen Wellen über dem jungen Mädchen zusammen. Der Twitter-Hashtag #merkelstreichelt und die Bilder der Begegnung mit der Kanzlerin wurden hunderttausendfach in sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. Reem und ihre Familie wurden regelrecht belagert. Mittlerweile hat sich Reem mit dem Auftritt und den Folgen für ihr Leben versöhnt: Es werde immer ein Tag bleiben, an dem sehr viel in ihr und um sie herum passiert sei, sagte die Neuntklässlerin im Sommer. Wenn sie heutzutage an jenen Tag im Sommer 2015 denke, tue sie dies mit positiven Gedanken.

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Wieder im Fokus

In jüngster Zeit war Reems Leben erneut turbulenter geworden. Im August 2017 erschien ihre Autobiografie mit dem Titel "Ich habe einen Traum - Als Flüchtlingskind in Deutschland". Auch Reems gesundheitlicher Zustand hat sich gebessert. Wegen Sauerstoffmangels bei ihrer Geburt war sie teilweise gelähmt. Es folgte eine langwierige Behandlung über mehrere Jahre. Derzeit muss sie noch ab und zu Schienen am Bein tragen. Aber von dem leichten Humpeln ist nur noch wenig zu merken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.09.2017 | 14:00 Uhr

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