Stand: 26.06.2015 18:45 Uhr

Fischratgeber von Greenpeace in der Kritik

Wenn Mitglieder von Greenpeace im Stralsunder Hafen unterwegs sind und vor mobilen Fischverkaufsstellen ihre Fischratgeber verteilen, dann platzt so manchem der dortigen Fischhändler der Kragen. Dem Fischratgeber der Umweltorganisation zufolge sollte der Verbraucher nur noch Forelle und Karpfen aus Bio-Aquakultur essen, weil die Meere überfischt seien. Doch stimmt das überhaupt? Wissenschaftler aus Mecklenburg-Vorpommern kritisieren den Fischratgeber scharf.

Von Aal bis Zander: Was ist ökologisch korrekt?

Greenpeace: "Wir wollen Hilfestellung geben"

Bei dem Fischratgeber handelt es sich um eine Kaufempfehlung für Verbraucher, die Wert auf eine nachhaltige Fischerei legen, sagt die Greenpeace-Aktivistin Dörte Bremer. "Wir wollen eine Hilfestellung geben." Ein Blick in die Broschüre soll die Konsumenten über bedrohte und nicht bedrohte Fischarten aufklären. "Dann kann der Konsument entscheiden, kaufe ich den Fisch oder nicht", so Bremer weiter.

Experte: Fischratgeber ist nutzlos

Im Grunde sei dieser Fischratgeber nicht nur falsch, sondern auch nutzlos, sagt hingegen der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann. "Aus unserer wissenschaftlichen Sicht ist das so nicht zu verteidigen. Diese Kriterien beruhen nicht auf Wissenschaft, sondern sehr häufig einfach auf leichter Kommunizierbarkeit oder schlicht auf Ideologie." Die Fischerei sei ein sehr kompliziertes Metier, man müsse sich sehr genau anschauen, aus welcher Fischerei und mit welcher Fangmethode Fische gefangen wurden und aus welchem Bestand sie kommen, so Zimmermann. "Arten von pauschalen Abwertungen, so wie sie Greenpeace macht, sind nicht zielführend."

Dieselbe Datengrundlage, unterschiedliche Interpretation

Interessant: Sowohl die Wissenschaftler des Thünen-Instituts als auch die Autoren des Fischratgebers arbeiten mit denselben Daten. Diese stammen unter anderem vom Internationalen Rat für Meeresforschung. Die unterschiedliche Interpretation erklärt Zimmermann so: "Greenpeace listet automatisch jede Fischart rot, die aus Grundschleppnetz-Fischerei kommt - selbst wenn der Bestand, der genutzt wird, in einem idealen Zustand ist. Ein Beispiel ist die Nordseescholle, der geht es fantastisch, aber Greenpeace ist mit der Fangmethode nicht einverstanden. Also wird Nordseescholle automatisch rot gelistet."

Ratgeber wird überarbeitet - aber weiter verteilt

Nach Angaben von Greenpeace wird der Fischratgeber derzeit redaktionell überarbeitet. Trotzdem soll die jetzige Ausgabe weiter verteilt werden, um den Verbraucher für das Thema Überfischung und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, heißt es weiter. Aber welchen Fisch kann der Verbraucher bedenkenlos verzehren und von welchem sollte er die Finger lassen? Christopher Zimmermann hat eine eindeutige Antwort. "Wenn es um die heimischen Fische geht, dann kann ich eigentlich nur sagen, Vorsicht beim Aal aus Bestandsschutzgründen. Alle anderen Fische aus unseren heimischen sind guten Gewissens essbar.“

Auch das blaue MSC-Siegel kann beim Einkauf helfen. Es steht für umweltbewussten und nachhaltigen Fischfang. Im Zweifelsfall empfehlen die Fachleute, einfach den Gastronomen oder Fischhändler zu fragen, wo der Fisch tatsächlich gefangen wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.06.2015 | 17:15 Uhr