Stand: 24.01.2017 11:42 Uhr

Ernteausfälle: Knappheit lässt Preise steigen

von Judith Platz-Greitsch und Jana Schulze

Kopfsalat, Lollo Rosso, Feldsalat - die Regale im Supermarkt sind voll, der Salat ist jedoch ziemlich teuer. Er kostet aktuell bis zu dreimal mehr als im Vergleichszeitraum 2016, manche Gemüsesorten kosten glatt doppelt so viel. So müssen Auberginen oder Zucchini-Fans gerade deutlich tiefer in die Tasche greifen. Gemüsegroßhändler Manfred Mros von der Mönchguter Fruchtgroßhandel OHG aus Rostock bestätigt, dass die Preise stark gestiegen sind.

Italiens Felder unter Schnee

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Verschneit und vereist - so sieht es auf etlichen Hektar in Spaniens Südosten aus.

Der Grund: Während bei uns der Winter bisher viel milder als im langjährigen Mittel ist, haben Anfang des Jahres ungewöhnlich starke Schneefälle viele Ernten in Südwesteuropa schwer beschädigt. Deshalb gibt es einfach zu wenig Ware aus den üblichen Freiland-Winteranbaugebieten Italien und Spanien. Ein Großteil des Anbaus wächst dort unter freiem Himmel.

Salat stellt Wachstum ein

Der größte Gemüseanbauer im Land, die Behr AG, baut normalerweise Freilandgemüse in und um Gresse bei Boizenburg an. Im Winter weicht sie auf spanische Felder aus. Dann kommen die Blattsalate aus der Region Murcia im Südosten Spaniens. Aber jetzt sei es dort extrem mit Schnee auf dem Salat, sagte Behr-Sprecher Birger Exner. Da stellen die Kulturen sofort das Wachstum ein und bei diesem Wetter könne auch nichts neu angepflanzt werden. Das heißt, im Moment sind die Lieferungen aus Spanien sehr gering und damit deutlich teurer.

Felder nicht bepflanzbar - Reben gebrochen

Aus Italien berichtet die italienische Produzentenvereinigung Coldiretti, dass durch den ungewöhnlich schneereichen Januar die Ernte unzähliger Felder unbrauchbar geworden ist. Aktuell gibt es laut Coldiretti nur halb so viel Wintergemüse wie sonst. Gerade Freilandsalat und -Gemüse aus Italien ist der europaweite Verkaufsschlager in den Wintermonaten. Auch viele Zitronenbäume oder Weinreben konnten dem Gewicht des Schnees laut Coldiretti nicht standhalten, Äste und Zweige brachen.

Situation verschärft - Engpass länger problematisch

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Manfred Mros setzt auf gute Kontakte mit Zwischenhändlern. So hofft er, den Lieferengpass für seine Kunden zu überbrücken.

Das Lieferproblem wird alle, die mit Salat und Gemüse Geschäfte machen, noch eine ganze Weile beschäftigen: Die Pflanzen müssen neu gezogen werden, fünf bis sechs Wochen dauert eine Pflanzperiode beispielsweise bei Salat und momentan können die Bauern dort nicht mal auf ihre Felder.

Da heißt es ausweichen auf Produkte wie Zucchini aus Marokko - bis zu 40 Euro kostet davon aktuell eine Kiste mit fünf Kilogramm. Im Normalfall kostet sie im Januar 10 bis 15 Euro. "Auch die heben die Preise - Angebot und Nachfrage", erklärt Händler Mros. Das würde ja üblicherweise keiner dafür zahlen. Er hat langjährige gute Kontakte zu Zwischenhändlern, das helfe ihm aktuell sehr. Mros beliefert in Mecklenburg-Vorpommern rund 1.000 Kunden. Davon rund 300 in Rostock und Umgebung, wie das Rostocker Restaurant der überregionalen Franchise-Kette "L'Osteria".

Systemgastronomie direkt betroffen

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L'Osteria-Betriebsleiter Daniel Weiß passt die Tätigkeiten in den Dienstplänen an.

Für die italienischen Gerichte auf der von der Zentrale festgelegten Speisekarte wird besonders viel Gemüse und Salat gebraucht. Betriebsleiter Daniel Weiß spürt die Auswirkungen des knapperen Angebots täglich. Normalerweise verwendet er in der Küche fertige Salatmischungen: Das heißt, die Salate kommen geputzt, geschnitten und wie gewünscht sortiert in großen Beuteln an.

Jetzt muss er die Aufgaben in den Küchendiensten anpassen: Die Salate bekommt er als Köpfe - waschen, putzen, schneiden, mischen wird nun einzeln erledigt, das heißt rund eine dreiviertel Stunde Mehrarbeit pro Tag. Obendrauf kommt, dass die grüne Ware ohnehin teurer ist. Die Mehrkosten schmälern die Gewinnmarge des Restaurants, die Kunden müssen nicht mehr zahlen, sagt Weiß.

Fastfood-Ketten: Wege aus der Knappheit

Salate und Gemüse stecken auch in vielen Produkten von Fastfood-Ketten. Für McDonald's Deutschland bestätigt Sprecher Peter Lemm, dass die Kapazitäten bei Salat und bestimmten Gemüse kritisch sind. Tatsächlich werde deshalb aktuell geprüft, ob diese Ware außerhalb der EU gekauft werden müsse. In den vergangenen Jahren wurden nahezu ausschließlich aus Deutschland und der EU Salate und Gemüse bezogen.

In der Hansestadt Rostock und Umgebung führt Michael Wellmann mehrere Filialen. Er plant aktuell nicht, die Preise in seinen Läden zu erhöhen, auch wenn sich die Gewinnspanne durch die höheren Kosten verringert.

Mitbewerber Burger King gibt ebenfalls die höheren Beschaffungskosten der notwendigen Salate und Gemüsearten nicht an seine Kunden weiter, heißt es aus der Pressestelle. Außerdem habe man bereits "alternative Lieferwege" gefunden, heißt es aus der Pressestelle. Welche das konkret sind, dazu könne nichts gesagt werden.

Lebensmittel-Märkte bestätigen Engpass

Die Lebensmittel-Märkte Edeka und Lidl bestätigen auf Anfrage von NDR 1 Radio MV das Problem mit der Salat- und Gemüseknappheit aus Südeuropa. Zur Preisgestaltung und zu Lieferanten will die Pressestelle von Lidl allerdings keine weiteren Angaben machen. Nur soviel: Man kaufe nicht deutlich mehr Ware außerhalb der EU zu. Edeka empfiehlt seinen Kaufleuten auf regionale Lebensmittel auszuweichen, bis "wir wieder alle Produkte in gewohnter Qualität und Menge beschaffen können."

Hotel-Restaurant setzt auf saisonale Produkte

Der zweite Küchenchef im Rostocker Hotel Radisson Blue, Johannes Roselt, hat eine ganz einfache Lösung, um die Lieferknappheit zu umgehen: Bei ihm kommt weniger grüner Salat und Zucchini, dafür mehr Grünkohl und Chicoree auf die Karte. Was zur Zeit regional verfügbar ist, ist auch nicht so teuer, so Roselt.

Ende März beginnt dann die Pflanzsaison wieder hier im Land, so dass Anfang Mai mit dem ersten Freilandsalat made in MV gerechnet werden kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.01.2017 | 12:00 Uhr

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