Stand: 13.09.2015 17:03 Uhr

Debatte um Kreuzfahrtterminal als Erstaufnahme

Bild vergrößern
Zahlreiche freiwillige Helfer unterstützen die Flüchtlinge. In der Erstaufnahmeeinrichtung Horst zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen.

Das Kreuzfahrtterminal in Rostock-Warnemünde soll als weitere Erstaufnahme für Flüchtlinge eingerichtet werden. Wenn es keine Komplikationen gäbe, könne dort die Erfassung, die Untersuchung, die Unterbringung und Verteilung gewährleistet werden, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Sonntag NDR 1 Radio MV. Zusätzlich sollen eine Sporthalle im Stadtteil Marienehe und ein leerstehendes Polizeigebäude in Rostocks Innenstadt als Notunterkünfte dienen. Die Gebäude bieten Platz für mehrere hundert Flüchtlinge und sollen bereits in der kommenden Woche entsprechend hergerichtet werden.

Die Hansestadt Rostock hält das Terminal als Erstaufnahme für ungeeignet. Ab Anfang Oktober seien zudem umfassende Baumaßnahmen am Terminal geplant. Laut Senator Chris Müller (SPD) prüft Rostock derzeit andere Liegenschaften.

"Rostock hilft" braucht noch Unterstützer

Unterdessen kümmern sich weiterhin viele Freiwillige der Initiative "Rostock hilft" um ankommende Flüchtlinge, die per Fähre nach Schweden weiterreisen wollen. Ehrenamtliche Helfer betreuen und begleiten die ankommenden Menschen. Die Initiative sucht noch Unterstützer und hat eine Koordinierungstelle im Jugendalternativzentrum (JAZ) in der Innenstadt eingerichtet, an die sich Freiwillige wenden können.

Unterkunft in Hansemesse für Durchreisende

In der Rostocker Hansemesse wird eine Notunterkunft für die Flüchtlinge auf dem Weg nach Skandinavien eingerichtet. Noch am Sonntagnachmittag sollte damit begonnen werden, bis zu 600 Notbetten aufzustellen, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze. Die Stadt gehe derzeit davon aus, dass die Menschen mit dem Zug über Hamburg nach Rostock kommen und dann per Fähre nach Schweden fahren wollen. Die Messehalle habe den Vorteil, dass sie verkehrsgünstig in Hafennähe liege.

Neue Notunterkunft bei Parchim

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat in Dargelütz bei Parchim eine weitere Notunterkunft mit 60 Betten eingerichtet. In der Nacht zu Sonntag sind dort bereits 40 Flüchtlinge angekommen. Größtenteils handelt es sich um Familien. Allein Ludwigslust-Parchim hat nun vier Notunterkünfte mit insgesamt 260 Plätzen, die bereits nahezu komplett belegt sind. Auch die Kaserne Basepohl bei Stavenhagen (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), die als neue Notunterkunft mit 150 Plätzen gemeldet wurde, ist inzwischen mit 133 Flüchtlingen schon annähernd voll belegt.

Mehr Ärzte für Erstuntersuchung

Laut Innenministerium gibt es in Mecklenburg-Vorpommern landesweit derzeit zehn Notunterünfte mit 1.245 Plätzen. Für die medizinische Erstversorgung der ankommenden Flüchtlinge sind laut Sozialministerium von Montag an zusätzliche Ärzte und Assistenten im Einsatz. Die Mediziner kommen von der Rostocker Universitätsklinik. Sie sollen Eingangsuntersuchungen und Impfungen übernehmen.

Unterstützung von der Bundeswehr

Neben vielen freiwilligen Helfern wird die Arbeit der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Horst bei Boizenburg inzwischen auch von der Bundeswehr unterstützt. Rund 30 Soldaten aus dem schleswig-holsteinische Eutin arbeiten dort im Schichtbetrieb. In der vergangenen Woche hatte es wegen der angespannten Lage bei der Erstaufnahme Kritik am Innenministerium gegeben. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) räumte Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern ein.

Der Königsteiner Schlüssel

Welches Bundesland wie viele Asylbewerber aufnehmen muss, wird in Deutschland nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel festgelegt. Die Verteilung auf die Bundesländer, erklärt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf seiner Internetseite, richtet sich dabei nach den Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder. Diese Quote wird jährlich neu ermittelt. Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr mit 21,2 Prozent die höchste und Bremen mit 0,9 Prozent die niedrigste Quote. Niedersachsen muss 2015 demnach 9,4 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen.  
In welche Erstaufnahmeeinrichtung die Asylsuchenden aufgenommen werden, richtet sich nach den jeweils aktuellen Kapazitäten der einzelnen Unterkünfte. Dabei spielt auch eine Rolle, in welcher Außenstelle des BAMF das Heimatland des Asylbewerbers bearbeitet wird. Denn nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland.

"Verteilknoten" in der Lüneburger Heide

Die Bundesregierung rechnet an diesem Wochenende mit der Ankunft von bis zu 40.000 Flüchtlingen in Deutschland. Bei Bad Fallingbostel in der Lüneburger Heide soll nun ein neuer "Verteilknoten" zur Weiterreise der Flüchtlinge entstehen, um München zu entlasten. Von dort sollen die Menschen auf die norddeutschen Länder verteilt werden.

Prognose für Mecklenburg-Vorpommern nicht möglich

Wie viele der Flüchtlinge nach Mecklenburg-Vorpommern kommen, konnte Innenminister Caffier noch nicht sagen. Nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel könnten es theoretisch rund 800 Flüchtlinge sein, da aber viele Asylsuchende individuell unterwegs seien, könnten es auch mehr werden.

Weitere Informationen

Team MV im Einsatz und Sie können helfen

NDR 1 Radio MV

Das Team MV hilft Flüchtlingen im Land, denn wer vor Armut und Verfolgung das eigene Land verlassen muss, ist in der Fremde ohne Hilfe so gut wie verloren. Unterstützen Sie das Team MV - hier geht es zur Anmeldung. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.09.2015 | 17:00 Uhr