Stand: 08.03.2016 17:25 Uhr

DGB-Nord fordert mehr Tariftreue in MV

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DGB-Nord-Chef Polkaehn forfert eine bessere Tarifkultur in Mecklenburg-Vorpommern. (Archivbild)

Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Nord seine Forderungen formuliert. Demnach sollte die neue Landesregierung die Tarifkultur im Nordosten nach vorne bringen. "Mecklenburg-Vorpommern ist weiterhin der Lohnkeller der Nation", sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn am Dienstag in Schwerin. Es gebe sehr viele Betriebe, die nicht nach Tarif bezahlten und nicht in den Arbeitgeberverbänden seien. Doch das sei notwendig, damit weniger Fachpersonal nach Hamburg oder Schleswig-Holstein abwandere.

Regierung soll sich für mehr Tarifkultur einsetzen

Der durchschnittliche Bruttolohn eines Arbeitnehmers im Nordosten liege mit 2.100 Euro im Monat um 37 Prozent unter dem Verdienst in Hamburg und 22 Prozent unter dem in Schleswig-Holstein. "Diese erhebliche Lohnspreizung muss geschlossen werden", sagte der Gewerkschafter. Nur 23 Prozent der Firmen in Mecklenburg-Vorpommern bezahlten ihre Mitarbeiter nach den geltenden Branchentarifen, weitere 41 Prozent orientierten sich zumindest daran. "Die Landesregierung muss sich noch mehr dafür einsetzen, dass eine Tarifkultur im gesamten Land Einzug hält", mahnte Polkaehn. Einen direkten Einfluss auf Tarifverhandlungen lehnte er aber ab.

Zu viele in Leiharbeit und Minijobs

Außerdem müsse die Zahl der atypisch Beschäftigungen verringert werden. Ganz konkret befinden sich laut DGB Nord zu viele Frauen und Männer im Land in Leiharbeit, Minijobs oder Werksverträgen. Die Quote lag den Angaben zufolge im Jahr 2014 bei 37 Prozent aller Arbeitnehmer. Zehn Jahre zuvor lag die Quote noch bei 24 Prozent.

Demokratische Parteien stärken

Mit Blick auf die Landtagswahl am 4. September rief Polkaehn zum Urnengang auf. Je mehr Menschen wählen gingen, desto größer sei die Chance, dass die demokratischen Parteien sich im Landtag wieder fänden. Nur weltoffen habe das Land eine Zukunft. NPD und AfD hingegen hätten sich als Feinde demokratischer Grundwerte gezeigt. Die Wahl müsse eine Absage an Hass und Gewalt werden. Die Menschen hätten das Schicksal von Mecklenburg-Vorpommern in der Hand, so Polkaehn.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.03.2016 | 17:00 Uhr