Stand: 07.12.2017 12:33 Uhr

"Busch-Zulage" gegen Lehrermangel auf dem Land

Bild vergrößern
Mecklenburg-Vorpommern sucht nach Wegen, Lehrer für den Dienst an Schulen in ländlichen Gebieten zu gewinnen. (Archivbild)

Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommerns will junge Lehrer künftig mit Sonderzahlungen an Schulen auf dem Land locken. Entsprechende Pläne haben Vertreter des Ministeriums den Mitgliedern des Bildungsausschusses im Landtag vorgestellt. Die Zuschläge sollen erst zum Einsatz kommen, wenn sich nach mehreren Ausschreibungen kein Bewerber für eine Schule gefunden habe, erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Marc Reinhardt.

Videos
06:18

Dauerzustand: Unterrichtsausfall an Schulen

17.11.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin

In MV steht jede zehnte Unterrichtsstunde auf der Kippe. Der häufigste Grund: Krankheit der Lehrer. Der nächste: Lehrermangel. In Sternberg wollen die Eltern das nicht mehr akzeptieren. Video (06:18 min)

Bis zu 300 Euro mehr pro Monat?

Wie hoch das Extragehalt sei, stehe noch nicht fest. Die Summe könnte aber bei 200 bis 300 Euro monatlich liegen, so Reinhardt. Nach Angaben des Bildungsministeriums wird derzeit mit den Schulämtern geprüft, welche Regelungen aus dem Besoldungsrecht genutzt werden können, um Lehrkräften solche Zulagen zu ermöglichen.

Lohnlücke im Lehrerzimmer?

Die Lehrergewerkschaft GEW und die Linksfraktion im Landtag sehen allerdings die Lohngerechtigkeit gefährdet. Nach Ansicht der GEW schaffe die ins Gesrpäch gebrachte Sonderzulage Ungerechtigkeiten. Junge, oft verbeamtete Kollegen könnten dann womöglich mehr verdienen als langjährige Lehrer, die bislang fehlende Kollegen ersetzen und zurückliegende Sparmaßnahmen der Landesregierung mittrugen. Die Landesvorsitzende Antje Lindner sagte, wenn niemand dort lehren will, wo die Landschaft schön und das Bauland billig ist, dann löst man das auch nicht mit 200 oder 300 Euro mehr im Monat. Das Geld gleiche die fehlende Infrastruktur in Bezug auf den Öffentlichen Personennahverkehr oder die medizinische Versorgung und die nicht vorhandenen kulturellen Angebote nicht aus, hieß es.

Linke: Geld besser in Lehrerausbildung stecken

Zusätzliches Geld sollte lieber in die Lehrerausbildung und in Praktika außerhalb der Universitätsstädte investiert werden, forderte die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg. Wenn angehende Lehrer die Chance hätten, den Schulalltag auf dem Lande kennenzulernen, würden sich viele auch ohne "Busch-Zulage" für die Arbeit dort entscheiden, so Oldenburg.

Investitionsvorschlag: Fahrtkosten für Praktika

Konkret seien vor allem Schulen in Uni-Städten regelmäßig mit tausenden Lehramtsstudierenden überfordert. Abhilfe würde nach Ansicht Oldenburgs eine Erstattung der Fahrtkosten für Praktika oder Zuschüsse für eine Unterbringung schaffen. Dies würde Lehramtsstudenten Praktika außerhalb der Unistädte ermöglichen.

Weitere Informationen

Wieder Kurssystem an Gymnasien in MV

Das Abitur in Mecklenburg-Vorpommern wird reformiert. Ab 2019 gibt es wieder Grund- und Leistungskurse in der gymnasialen Oberstufe. Das Vorhaben stößt auf geteilte Reaktionen. (21.11.2017) mehr

Lehrerbedarf in MV größer als vorhergesagt

In Mecklenburg-Vorpommern werden in den kommenden Jahren offenbar deutlich mehr neue Lehrer gebraucht als bisher bekannt. Linksfraktionschefin Oldenburg kritisiert die Untätigkeit der Regierung. (17.08.2017) mehr

Gewerkschaften: Zu viel Unterrichtsausfall in MV

Zu hohe Arbeitsbelastung, zu wenig Lehrernachwuchs: Die Lehrergewerkschaften GEW und Philologenverband haben das in Mecklenburg-Vorpommern zu Ende gehende Schujahr kritisch bilanziert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.12.2017 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:39

Hafenausbaggerung in Berndshof beginnt

13.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:48

Höhere Sicherheitsanforderungen beim EWN

13.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:41

Vergewaltigungsvorwurf bestätigt sich nicht

13.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin