Stand: 22.11.2012 13:18 Uhr

Bücherverkauf: Staatsanwaltschaft ermittelt

von Stefan Ludmann
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Oberbürgermeister Badrow sagt, er habe sich auf die Einschätzung des Stadtarchivs verlassen.

Der umstrittene Verkauf von mehreren Tausend historischen Büchern aus dem Stralsunder Stadtarchiv hat möglicherweise ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat nach Informationen von NDR 1 Radio MV Vorermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft prüft die Anzeige eines Lübecker Rechtsanwalts und Archiv-Kenners.

Der Anwalt wirft der Verwaltungsspitze vor, sie habe zum Nachteil der Stadt gehandelt. Einzelne Exemplare der mehr als 6.000 verkauften Bücher seien allein bis zu 45.000 Euro wert - das ist knapp die Hälfte des insgesamt erzielten Erlöses von 95.000 Euro. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte dem NDR den Eingang der Strafanzeige.

Unesco: Peinliche Tragödie

Unterdessen hat Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) einen deutlichen Brief vom Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission, Roland Bernecker, erhalten. Bernecker beschreibt darin seine Besorgnis über den Umgang mit wertvollen Kulturgütern. Ein Unesco-Sprecher sagte, es sei eine "ziemliche Tragödie", die sich da in Stralsund abspiele und "sehr peinlich". Der Welterbe-Status der Stadt sei aber nicht in Gefahr.

Badrow räumt Fehler ein

Oberbürgermeister Badrow hat inzwischen Fehler eingeräumt. Die Stadt versuche jetzt, die Bestände von dem Käufer, einem bayerischen Antiquar, zurückzukaufen. Einzelheiten wollte er am Nachmittag in seiner Krisen-Sitzung des Hauptausschusses erklären. Ein Gremiumsmitglied erklärte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV, die Bürgerschaft werde das Verfahren an sich ziehen. Am Ende gehe es auch um die Frage von Konsequenzen.

Stadtarchivarin bekommt Schwarzen Peter

Die von Badrow verfügte Suspendierung der Stadtarchivarin gilt allgemein jedoch als Bauernopfer. Der Oberbürgermeister erklärte, das Gremium habe sich auf die Expertise des Archivarin verlassen. Nach öffentlicher Kritik kam Anfang der Woche ein Expertengutachten zu dem Schluss, dass die Bücher nicht hätten verkauft werden dürfen. Beschlossen wurde der Verkauf im Juni vom Hauptausschuss hinter geschlossenen Türen. Den Vorsitz des neun Mitglieder zählenden Gremiums hat Badrow. Offenbar hatte es die Verwaltungsspitze seinerzeit sehr eilig. Der Hauptauschuss ist zuständig "in dringenden Angelegenheiten, deren Erledigung nicht bis zu einer Dringlichkeitssitzung der Bürgerschaft aufgeschoben werden kann".