Stand: 07.05.2014 11:10 Uhr

Bronzezeitliches Schlachtfeld im Tollensetal

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Landesarchäologe Detlef Jantzen untersucht im Archäologischen Landesamt in Wiligrad (MV) einen Schädel aus der Zeit 1300 v. Chr. in dem eine Pfeilspitze aus Bronze steckt.

Im Tollensetal bei Altentreptow haben Archäologen weitere Beweise für eine kriegerische Auseinandersetzung vor rund 3.000 Jahren gefunden. Damit können nach vierjährigen Untersuchungen letzte Zweifel an einer Schlacht im Tollensetal ausgeräumt werden, berichtet Grabungsleiter Thomas Terberger vom niedersächsischen Amt für Denkmalpflege am Mittwoch in Schwerin. Die Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass im Tollensetal fast 4.000 Menschen an dieser Schlacht beteiligt waren, bei der nach Schätzungen rund 750 von ihnen bei den Kampfhandlungen umkamen.

Finales Beweisstück: Eine bronzene Pfeilspitze im Schädel

In der Flussniederung nördlich von Altentreptow wurde ein Schädel entdeckt, in dem eine bronzene Pfeilspitze steckt, berichtete Grabungsleiter Terberger. "Das ist das finale Belegstück dafür, dass wir es mit Gewalt zu tun haben", sagte er. In den vergangenen Monaten haben die Archäologen Tausende Menschenknochen freigelegt. Zu den Funden gehören zudem Knochen von Pferden, über zwanzig Bronzepfeilspitzen, Schmuck sowie ganze Schwerter, die ein Gemetzel auf dem bronzezeitlichen Schlachtfeld bestätigen.

Ein Schlachtfeld voller Gold und Zinn

"International bedeutsame Entdeckung"

"Art und Ausmaß des Konflikts sind einmalig", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) bei der Präsentation der Ergebnisse in Schwerin. Nirgendwo sonst in Europa gebe es eine vergleichbare Fundstelle aus dieser Zeit, hieß es weiter. Die beiden Projektleiter Thomas Terberger und Detlef Jantzen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sprachen bei der Präsentation der neuen Funde in Schwerin von einer international bedeutsamen Entdeckung.

Gründe für die Schlacht noch unklar

Laut Landesarchäologe Jantzen haben sich etwa 4.000 Menschen an der Schlacht beteiligt. Das sei viel, da damals in Mecklenburg nur etwa drei bis fünf Menschen auf einem Quadratkilometer gelebt hätten. Derzeit gehen die Forscher davon aus, dass möglicherweise eine Gruppe Menschen aus südlicheren Gebieten den Fluss auf ihrem Weg nach Norden queren wollte und dann angegriffen wurde. Wo diese Menschen herkamen, werde noch untersucht, hieß es. Zudem würden die Knochen wieder zu menschlichen Skeletten zusammengesetzt. Möglicherweise erstreckte sich die Schlacht nur über ein bis zwei Tage. Er könne sich vorstellen, dass "wir hier am Anfang des organisierten Krieges stehen", so Jantzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.01.2017 | 19:00 Uhr

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