Stand: 19.02.2016 14:40 Uhr

Binz will Prora zum Kurort machen

Der Koloss von Rügen aus der Luft: Machen hier bald Kurgäste Urlaub?

Prora auf Rügen könnte demnächst Kurort werden: Nach dem Willen der Gemeindevertreter aus Binz soll der Ort dazu dem Heilbäderverband des Landes beitreten und einen Antrag auf den Titel "Kurort" stellen. Prora ist Ortsteil des Seebades Binz und trägt bislang noch keinen touristischen Titel. Die werbeträchtige Bezeichnung "Kurort" wird vom Sozialministerium vergeben.

Prora könnte Kurtaxe verlangen

Wie NDR 1 Radio MV am Freitag berichtet, wäre die Bezeichnung wegen der Kurtaxe auch finanziell lukrativ für die Gemeinde. Für das bei Urlaubern begehrte Binz sei die Entwicklung Proras ein Gewinn, sagte Bürgermeister Karsten Schneider (parteilos). Während das alte Binz für das Elegante und Mondäne stehe, könne Prora das Junge, Frische und Szenehafte repräsentieren. Über die Kurtaxe könnten Strandreinigung, der Bau von Toiletten und der Einsatz der Rettungsschwimmer am Strand finanziert werden, so Schneider.

Vereine beklagen "Enthistorisierung"

Museen und Vereine, die sich mit der Geschichte der "Kraft-durch-Freude"-Anlage in Prora befassen, beklagen jedoch eine zunehmende Dominanz des Tourismus und eine "Enthistorisierung" des Ortes. Wie die Leiterin des Dokumentationszentrums Prora, Katja Lucke, am Freitag sagte, sei Prora neben dem Reichsparteitagsgelände Nürnberg und dem Flughafen Tempelhof die größte NS-Hinterlassenschaft. Diese nun zum Kurort machen zu wollen, zeuge von einem unkritischen und unsensiblen Umgang mit der Geschichte.

Linke fordert Auseinandersetzung

Erst vor zwei Wochen hatte der Landkreis Vorpommern-Rügen angekündigt, den Block 5 der Anlage - den letzten in öffentlicher Hand - verkaufen zu wollen. Das Dokumentationszentrum wie auch das Prora-Zentrum als zweite Einrichtung, die sich mit der Geschichte des Ortes befasst, stehen derweil vor einer unsicheren Zukunft. Der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, forderte Bund und Land auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Kurort-Entwicklung und ein angemessener historischer Umgang müssten sich nicht generell ausschließen. Dennoch wolle er Prora zum Thema im Bildungsausschuss des Landtages machen.

Koloss von Rügen wird nach und nach bewohnbar

Das Ostseebad Binz gilt mit knapp 6.000 Einwohnern als größter Urlaubsort auf Rügen. Jedes Jahr verbringen dort etwa 400.000 Gäste ihren Urlaub. In der als "KdF-Seebad der 20.000" geplanten NS-Hinterlassenschaft direkt an der Ostsee, die nach Kriegsende militärisch genutzt wurde, entstehen derzeit rund 1.000 Eigentums- und Ferienwohnungen. Der Bund hatte ab Mitte der 2000er-Jahre die fünf halbwegs intakten Blöcke der 4,5 Kilometer langen Riesenimmobilie verkauft.

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Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.02.2016 | 10:00 Uhr

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