Stand: 18.01.2016 14:40 Uhr

Bevorzugt das Land das Staatstheater Schwerin?

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Bevorzugung des Staatstheaters? Kultusminister Mathias Brodkorb muss in der Theaterkrise erneut vermitteln.

Ein Gutachten zum Mecklenburgischen Staatstheater sorgt für Streit zwischen Landtagsopposition und dem Kultusministerium. Das Papier sieht in den nächsten drei Jahren zwischen 3,5 und 3,9 Millionen Euro Verlust jährlich auf die Schweriner Bühne zukommen. Nach Informationen des NDR liegt das Gutachten bereits seit Ende 2014 vor.

Wusste Brodkorb schon lange Bescheid?

Die Grünen im Landtag kritisieren sowohl Inhalt als auch Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Gutachtens. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger, bezeichnete das Verhalten von Brodkorb als Skandal. Im Gespräch mit NDR 1 Radio MV sagte Berger, es könne nicht sein, dass ein Gutachten mit öffentlichen Geldern finanziert, der Landesöffentlichkeit jedoch vorenthalten werde. Vor allem aber sei Brodkorb schon vor 14 Monaten über den Zustand des Theaters im Klaren gewesen. Er habe also bereits gewusst, dass die Theaterreform zum Scheitern verurteilt sei, weil es ein Defizit von vier Millionen Euro geben werde.

Grüne beantragen Sondersitzung

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Die Theater in Mecklenburg-Vorpommern kommen nicht zur Ruhe.

Im Dezember hatte Brodkorb den seit langem geplanten Einstieg des Landes als Mehrheitsgesellschafter beim Staatstheater wegen hoher Defizite in der Zukunft überraschend infrage gestellt. Die Verhandlungen mit der Landeshauptstadt wurden kurz darauf aber wieder aufgenommen. Die Bündnisgrünen beantragten am Montag eine Sondersitzung des Bildungs- und Kulturausschusses im Landtag.

Man wolle nicht, dass wie bei der Werftenpleite unmittelbar nach der Wahl das böse Erwachen komme, so Berger weiter. Brodkorb müsse auch erklären, wie die Landesregierung die Ungleichbehandlung der Theater im östlichen und westlichen Landesteil beenden wolle. Im Gegensatz zu anderen Bühnen in MV zahle das Theater in Schwerin keine Miete für das Haus, so Berger.

Brodkorb: Gutachten nicht mehr aktuell

Brodkorb betonte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV, es gebe kein Defizit von 3,9 Millionen Euro. Die Zahlen aus dem Gutachten seien nicht mehr aktuell. Das Gutachten wurde von der landeseigenen Gesellschaft für Struktur und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) erstellt. Dass das Theater mit einem Rückgang der Zuschüsse durch das Land plane und so ein Defizit ausweist, sei schlicht falsch, so Brodkorb. Auch den Vorwurf der Bevorzugung des Mecklenburgischen Staatstheaters wies Brodkorb zurück: In Schwerin müsse die Stadt die Instandhaltung des Hauses zahlen, nicht das Land. In Neustrelitz müsse das Theater die Instandhaltung nicht selbst realisieren, zahle dafür aber eine Miete.

Auch Linke fordern neue Verhandlungen

Für die Linken im Landtag beweist das aufgetauchte Gutachten nur ein weiteres Mal, dass die Theater und Orchester in MV unterfinanziert sind. Der kulturpolitische Sprecher, Torsten Koplin, forderte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV einen Neustart der Verhandlungen. Keine der bekannten Zahlen seien solide und belastbar, so Koplin. Zunächst müssten alle Zahlen auf den Tisch, dann müsse man partnerschaftlich über das weitere Vorgehen sprechen.

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