Stand: 05.02.2016 20:36 Uhr

"Rabaukenjäger"-Prozess: Geldstrafe bestätigt

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Wegen der Bezeichnung "Rabaukenjäger" war ein Journalist des "Nordkuriers" in erster Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Das Landgericht Neubrandenburg hat im Berufungsprozess zum "Rabaukenjäger-Fall" die Geldstrafe gegen einen Journalisten wegen Beleidigung eines Jägers bestätigt. Das Gericht wies die Berufung des 50-jährigen Reporters des Neubrandenburger "Nordkurier" gegen ein vorheriges Urteil des Amtsgerichtes Pasewalk ab. Der Journalist soll 1.000 Euro Strafe zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der "Nordkurier" kündigte an, das Oberlandesgericht in Rostock anzurufen. Notfalls wolle man durch alle Instanzen gehen.

"Maximale Verunglimpfung bei minimaler Beweislage"

In der Begründung des Neubrandenburger Gerichts ist von "maximaler Verunglimpfung bei minimaler Beweislage" die Rede. Mit Begriffen wie "Rabaukenjäger" und "Drecksjäger" habe sich der Journalist nicht eindeutig vom Sachverhalt distanziert. Der Jäger aus Vorpommern hatte 2014 ein totes Reh an einem Strick hinter seinem Auto hergeschleift. Das Ziehen wurde von Unbekannten fotografiert, das Bild löste in sozialen Medien Empörung aus und führte zu einer umfassenden Berichterstattung der Zeitung. Der Journalist bezeichnete den Waidmann darin als "Rabaukenjäger" und veröffentlichte ein Foto des Fahrzeugs. Dagegen wehrte sich der Jäger und erstattete Anzeige wegen Beleidigung.

Bundesweit Schlagzeilen

Das Amtsgericht Pasewalk gab ihm in erster Instanz recht. Der Journalist habe gegen die Persönlichkeitsrechte des Jägers verstoßen. In seiner Urteilsbegründung führte das Gericht an, dass der Jäger aufgrund der gedruckten Details identifiziert werden konnte. Außerdem sei der Begriff "Rabaukenjäger" eine Beleidigung. Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen und löste eine Diskussion um Pressefreiheit aus. Der "Nordkurier" akzeptierte die Strafe nicht und legte Berufung ein.

"Nordkurier"-Chefredakteur Lutz Schumacher kritisierte das Urteil vom Donnerstag scharf. Es sei ein Skandal, dass auch das Neubrandenburger Landgericht die Bedeutung der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsfreiheit so geringschätzt, hieß es in einer Mitteilung der Zeitung. "Hätte dieses absurde Urteil Bestand, dürfte künftig in Mecklenburg-Vorpommern niemand mehr eine deftiger formulierte Meinung äußern", sagte Schumacher demnach.

Jäger äußert sich zu Vorfall

In der Verhandlung am Donnerstag äußerte sich der Jäger erstmals als Zeuge zu dem Vorfall im Mai 2014. Er sei auf dem Weg zu seinem Enkel gewesen und habe dann am Rand der B 109 in der Nähe von Ueckermünde das tote Reh liegen sehen. Das Reh habe eine Gefährdung des Verkehrs dargestellt, weswegen er es wegbringen wollte. Seinen Angaben zufolge habe er das tote Tier lediglich rund 100 Meter über die Straße gezogen und dann vergraben. In der Zeitung seien die Arbeitsstätte des Jägers genannt worden, dass er Pächter eines Waldes sei und für eine Partei kandidiert habe. Seit dem Bericht habe er unter Anfeindungen zu leiden, so der 74-Jährige.

Entzug seiner Jagderlaubnis juristisch abgewehrt

Der Jäger hat den Vorfall inzwischen bedauert. Der Landesjagdverband hatte an der Art des Reh-Transports harsche Kritik geübt. Den Entzug seiner Jagderlaubnis nach dem Vorfall wehrte der 74-Jährige mit rechtlichen Mitteln ab.

Hintergrund
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.02.2016 | 18:00 Uhr