Stand: 23.03.2016 13:22 Uhr

Bauern demonstrieren für höhere Erzeugerpreise

Durch sinkende Milchpreise sehen insbesondere Milchbauern ihre Existenz bedroht.

Landwirte in ganz Deutschland haben am Mittwoch gegen Niedrigpreise von hochwertigen Lebensmitteln protestiert. Am bundesweiten Aktionstag zur Agrarkrise setzte auch der Landesbauernverband MV auf den Dialog mit Verbrauchern in Schwerin und Stralsund. "Wir wollen nicht jammern, sondern den Menschen erklären, was von dem Geld, das sie bezahlen, für uns Bauern übrig bleibt", sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl.

Gespräch mit dem Bürger gesucht

Mit Strohballen und Milchkannen zogen die Landwirte durch die Innenstädte von Schwerin und Stralsund und verteilten Lebensmittel - unter dem Motto: "Wir machen dein Oster-Frühstück, aber dein Geld kommt bei uns nicht an." Seit vielen Monaten sinken die Erzeugerpreise der Landwirte, während die Verbraucherpreise im Supermarkt nach Angaben des Bauernverbandes in den vergangenen beiden Jahren leicht gestiegen sind. Immer mehr Landwirte würden rote Zahlen schreiben und unter massiven wirtschaftlichen Druck geraten.

Sechs Cent für ein Glas Milch

Laut dem Bauernverband erhalten Erzeuger derzeit sechs Cent für ein Glas Milch, 13 Cent für das Getreide für ein Kilo Brot und sechs Cent für ein Ei. Damit komme nur ein Viertel des Gesamtpreises beim Landwirt an. Die niedrigen Erzeugerpreise würden kaum auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Die Preisspannen verblieben bei den Vermarktern, den Verarbeitern und vor allem beim Lebensmitteleinzelhandel. Für die Landwirte bedeute es eine zunehmende Existenzbedrohung, wenn sie für ein Kilo Schweinefleisch 1,25 Euro bekommen, aber 1,70 Euro bräuchten, um kostendeckend zu wirtschaften, so der Verband. Ähnlich sehe es bei der Milch aus: Pro Liter erhielten die Bauern 25 Cent - zwingend notwendig wären 35 Cent.

Backhaus: Insolvenzen drohen

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte jüngst den Bund aufgefordert, die Milchbauern zu unterstützen: "Wenn nicht schnell, unbürokratisch und ohne komplizierte Genehmigungsverfahren durch die Europäische Kommission geholfen wird, haben wir etwa im Frühsommer mit einer erheblichen Anzahl von Insolvenzen zu rechnen", sagte Backhaus am Montag. Der Verlust für einen Betrieb mit 400 Kühen liege seit fast einem Jahr bei monatlich 27.000 Euro.

Maßnahmen-Paket vorgeschlagen

Als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern wandte sich Backhaus an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Zudem schlug der Minister vor, die Betriebe finanziell bei Berufsgenossenschaft, Sozialversicherung und öffentlichen Darlehen zu entlasten. Der Ausstieg aus der Milch beziehungsweise der Umstieg in eine andere Produktion soll erleichtert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.03.2016 | 16:00 Uhr