Stand: 04.03.2016 14:05 Uhr

Auschwitz-Prozess: Verhandlungsunfähigkeit bestätigt

Der Neubrandenburger Gerichtsprozess gegen einen früheren Ausschwitzer KZ-Sanitäter droht zu platzen. Nach Angaben des Gerichts hat ein Amtsarzt bestätigt, dass der 95-Jährige zum geplanten Auftakt am vergangenen Montag verhandlungsunfähig gewesen ist.

Selbstmordgefahr und Kreislaufprobleme

Der Angeklagte hatte sich den Arm gebrochen. Wenige Tage vor Prozessbeginn riefen seine Kinder wegen akuter Probleme des Mannes eine Bereitschaftsärztin. Diese stellte einen überhöhten Blutdruck, Selbstmordgefahr und akute Kreislaufprobleme fest. Das Gericht hatte offenbar Zweifel und ordnete eine erneute Untersuchung durch den Amtsarzt an.

Prozessbeginn weiterhin ungewiss

Ob der Prozess nun wie geplant am 14. März beginnen kann, sei nicht sicher, heißt es. Mit Staatsanwaltschaft und Nebenklägern ist vereinbart, dass der Rentner aus einem Dorf bei Neubrandenburg unmittelbar vorher erneut von einem Arzt und einem psychiatrischen Gutachter untersucht wird.

Streit um Verhandlungsfähigkeit

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen vor. Er soll vom 15. August bis zum 14. September 1944 in der SS-Sanitätsdienststaffel Auschwitz-Birkenau als Unterscharführer tätig gewesen sein. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mann drei bis 15 Jahre Haft. Der Gesundheitszustand des Angeklagten hatte bereits im Vorfeld des Prozesses zu Streit geführt. Gegen den 95-Jährigen wird seit zwei Jahren ermittelt. Zuletzt hatte das Landgericht mehrere Befangenheitsanträge gegen die mit dem Verfahren befasste Schwurgerichtskammer als unbegründet zurückgewiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.03.2016 | 14:00 Uhr

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