Stand: 10.11.2017 15:31 Uhr

Asylbewerber mit Warnschuss gestoppt

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Die Polizei feuerte einen Warnschuss ab, um einen aggressiven Bewohner der Erstaufnahme in Horst zu stoppen. (Archivbild)

Die Polizei hat bei Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) einen Mann aus einem Flüchtlingsheim nur mit einem Warnschuss stoppen können. Das bestätigte ein Polizeisprecher NDR 1 Radio MV am Freitag. Zunächst hatte die Polizei über den Vorfall vom vergangenen Wochenende nicht informiert.

Wachmänner kommen Frau zur Hilfe

Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 29-jährigen Asylbewerber aus Marokko. Er soll in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst eine Frau mit einem Messer bedroht haben. Daraufhin seien zwei Wachmänner der Frau zu Hilfe geeilt. Kurz danach sei der Mann auf einen der Wachmänner losgegangen. Dabei hatte er ein Küchenmesser mit einer gut 20 Zentimeter langen Klinge in der Hand. Die Wachmänner alarmierten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, flüchtete der 29-Jährige. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf und stellten den Mann schließlich an der Bundesstraße 5.

29-Jähriger wird nach Warnschuss überwältigt

Da der Mann weiterhin mit dem Messer herumfuchtelte, setzten die Polizisten Pfefferspray ein - ohne Wirkung. Deshalb gab schließlich einer der Beamten einen Warnschuss in den Waldboden ab. Daraufhin ließ der Marokkaner das Messer fallen. Als der Mann anschließend überwältigt wurde, wehrte sich der 29-Jährige so heftig, dass einer der Polizisten einen Handwurzelbruch und eine Beinverletzung erlitt.

Zunächst Psychiatrie, dann U-Haft

Da die Beamten einen Ausnahmezustand bei dem Mann annahmen, haben sie ihn zunächst in eine psychiatrische Klinik gebracht. Nach Untersuchungen wurde er aber am Montagvormittag entlassen und kehrte ins Heim zurück. Inzwischen sitzt der Asylbewerber in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Polizei informierte nicht über Vorfall

Nach Informationen von NDR 1 Radio MV hatte der Polizeieinsatzleiter vor Ort noch in der Nacht des Einsatzes mit dem Polizeipräsidenten in Rostock telefoniert und ihm die Situation geschildert. Letztlich entschied der Präsident, den Vorfall nicht öffentlich zu machen. Wie es aus dem Präsidium hieß, ging es dabei um die Persönlichkeitsrechte des Täters. Außerdem habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Warum aber auch dann nichts gemeldet wurde, als der mutmaßliche Täter in U-Haft kam, bleibt offen. Inzwischen hat das Polizeipräsidium Rostock bei verschiedenen Medien für die Unterlassung um Entschuldigung gebeten.

Zweiter Fall innerhalb von zwei Wochen

Wie NDR 1 Radio MV berichtete, war es nicht der erste Vorfall, über den die Polizei erst verspätet berichtete. Demnach eskalierte vor zwei Wochen ein Streit zwischen zwei Syrern in einem Supermarkt in Schwerin Lankow. Bei der Messerstecherei wurde ein 23-Jähriger lebensbedrohlich verletzt. Obwohl der mutmaßliche Täter noch tagelang auf der Flucht war, wurde die Öffentlichkeit nach Recherchen von NDR 1 Radio MV nicht informiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.11.2017 | 12:00 Uhr

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