Stand: 03.03.2016 09:54 Uhr

Positives Echo auf Nordic-Yards-Verkauf

Auf Betriebsversammlungen wurden die Nordic-Belegschaften über den Verkauf informiert.

Erst die Skandinavier, dann die Russen, jetzt die Asiaten: Der Mischkonzern Genting hat die drei Nordic-Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund gekauft. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hongkong mit. Der Kaufpreis für die Schiffbau-Betriebe an der Ostsee soll bei 230 Millionen Euro liegen, die Verträge wurden offenbar bereits am Dienstag unterzeichnet. Laut IG Metall gibt es die Zusage, alle 1.400 Mitarbeiter zu übernehmen. Der Großteil der Belegschaften zeigte sich nach Betriebsversammlungen erleichtert. Genting will seine Kreuzfahrt-Branche erweitern und sucht dafür Fertigungsorte für neue Schiffe.

Wachsende Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen in China

Besonders in China wachse die Nachfrage nach Kreuzfahrtreisen und damit auch nach Kreuzfahrtschiffen. Die Auftragsbücher der Werften, die diese Schiffe bauen können, seien auf einem Allzeit-Hoch, erklärte der Vorstandschef von Genting Hongkong, Tan Sri Lim Kok Thay. Er befürchtet wegen dieser Produktionsengpässe, dass sein Konzern kaum noch neue Schiffe auf den Markt bringen kann. Deshalb lässt Genting erstmals Schiffe in Eigenregie fertigen. Die drei neuen Werften an der Ostsee seien modern und hätten eine Stahlverarbeitungs-Kapazität von 150.000 Tonnen im Jahr. Wichtig für Genting: die großen Fertigungshallen an allen Standorten. Das heißt, sie können große Schiffe bauen.

Genting Hong Kong

Das Schifffahrtunternehmen Genting Hong Kong (englische Schreibweise) gehört zur Genting Group mit Sitz im malayischen Kuala Lumpur. Die Tochter Genting Hong Kong ist an der Börse in Hong Kong notiert. Zu Genting gehören die drei Kreuzfahrtmarken Crystal Cruises, Dream Cruises und Star Cruises. Nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr 25 Prozent der Bremerhavener Lloyd Werft übernommen hatte, ist es seit Anfang des Jahres im Besitz aller Anteile der Werft.

Zuvor Bremerhavener Werft gekauft

Genting hatte bereits Anfang des Jahres die Lloyd-Werft in Bremerhaven gekauft. Der Werftenverbund soll unter dem Namen "Lloyd-Werften-Gruppe" firmieren. Deutschland habe ein lange Tradition beim Bau hochwertiger und moderner Schiffe und Großjachten. Außerdem biete die Zuliefer-Industrie beste Bedingungen. "Die Investitionen in die Lloyd-Werften-Gruppe werden sich auszahlen und passen perfekt in die Kreuzfahrt-Strategie von Genting", hieß es in der Mitteilung.

Betriebsratschef setzt auf "neue Chance"

Der bisherige Nordic-Eigner Witali Jussufow betonte, seine Forderung zur Übernahme der kompletten 1.400 Mitarbeiter sei erfüllt worden. Deren Know-how und Erfahrungen blieben erhalten. Jussufow hatte 2009 die Werften in Wismar und Warnemünde für rund 40 Millionen Euro übernommen und 2014 schließlich auch die kriselnde Stralsunder Volkswerft für fünf Millionen Euro gekauft. Branchenexperten sagen, er habe mindestens 200 Millionen Euro investiert.

Der Warnemünder Betriebsratschef Harald Ruschel spricht von einer "neuen Chance". Die Schiffbauer hätten in der Vergangenheit bewiesen, dass sie große Schiffe bauen könnten. Die IG-Metall begrüßte in einer ersten Reaktion die Übernahme. Der Bau von Kreuzfahrtschiffen könne Perspektiven für die Mitarbeiter bringen, sagte Regionalgeschäftsführer Daniel Friedrich. Jetzt müssten die Chancen gleichberechtigt auf alle alle vier Standorte verteilt werden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sieht in dem Verkauf eine "gute Nachricht für alle Beschäftigten und deren Familien". Genting sei ein "großer Player auf dem Wachstumsmarkt der Kreuzschiffahrt". Der Investor bringe Aufträge gleich mit, das bedeute eine einmalige Chance, so Glawe.

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Sellering: Hoffen auf dauerhafte Perspektive

Etwas weniger euphorisch äußerte sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD): "Wir hoffen, dass die Werften durch den Verkauf eine dauerhafte Perspektive erhalten." Es sei richtig gewesen, dass die Landesregierung auch in schwierigen Zeiten zu den Werften gestanden habe. Linksfraktionschef Helmut Holter meinte, die Unischerheiten müssten durch den neuen Verkauf beendet werden. Er erwarte von der Landesregierung, dass sie "auf dem Weg zur Realisierung der Aufträge die nötige Untertstützung leiste".

Nordic verabschiedet sich von Energiewende-Projekten

Noch-Nordic-Geschäftsführer Herbert Aly lobte Genting als "strategischen Investor". Die neuen Aufträge böten Arbeit für die nächsten "fünf bis zehn Jahre". Die Werften hätten Erfahrungen im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Allerdings gibt es auch Zweifel an der möglichen einseitigen Ausrichtung der Werft - ähnlich wie mit den Containerschiffen in den 1990er-Jahren. Wenn der neue Boom vorbei ist, heißt es, stünden die Werften erneut mit leeren Händen da.

Noch ist nicht klar, ob Genting beim Bau der Schiffe auf Landesbürgschaften zurückgreifen will. Die Landesregierung geht offen davon aus, dass Genting ausreichend finanzstark ist, um auf staatliche Hilfen zu verzichten. Klar scheint mit der Übernahme aber, dass sich die Werften an der Ostsee als Produktionsstandorte im Rahmen der Energiewende verabschieden. Nordic wollte zuletzt mit dem Bau großer Umspann-Plattformen für die Windkraftindustrie Gewinne machen, kam bei Aufträgen aber schließlich nicht mehr zum Zug. Vor allem die Landespolitik hatte große Hoffnungen in diesen Produktionszweig gesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.03.2016 | 08:00 Uhr