Stand: 19.12.2016 20:44 Uhr

Wenige Angriffe auf Asyl-Unterkünfte aufgeklärt

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Bis September gab es 27 Angriffe auf Unterkünfte in Mecklenburg-Vorpommern. (Themenbild).

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern kann offenbar nur einen kleinen Teil der fremdenfeindlichen Angriffe auf Asylbewerber-Unterkünfte aufklären. Im Schnitt haben die Ermittler bei einer von rund vier Attacken Tatverdächtige ausfindig gemacht. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Mehrere Angriffe in Prangendorf

Demnach registrierte die Polizei zwischen Januar und Ende September diesen Jahres 27 Angriffe auf bewohnte und geplante Unterkünfte und Wohnungen von Asylbewerbern, alle Vorfälle wurden der rechten politisch-motivierten Kriminalität zugeordnet. In sieben Fällen konnten mutmaßliche Täter ermittelt werden, insgesamt sind es 12 Verdächtige. Die Übergriffe sind über das gesamte Land verteilt, allerdings sticht die Ortschaft Prangendorf (Landkreis Rostock) mit drei Attacken in der Auflistung des Innenministeriums besonders hervor. Meist wurden mit Steinen und Bierflaschen Fenster eingeworfen. Es gab Schüsse aus Luftgewehren, Hakenkreuz-Schmiereien oder Buttersäure-Attacken. In mehreren Fällen grölten die Fremdenhasser ausländerfeindliche Parolen und legten tote Ratten an Wohnungen von Asylbewerbern ab.

Drei Menschen bei Attacken verletzt

Mitte Juni wurde in Wolgast versucht, eine Fackel durch ein offenbar angekipptes Fenster in einen Wohnraum zu schleudern. Sie prallte ab und entzündete sich nicht weiter. Die Polizei kam zwei Einheimischen, 30 und und 23 Jahre alt, auf die Spur. Gegen das Duo läuft bei der Stralsunder Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Bei allen 27 Attacken blieb es zumeist bei Sachschäden, insgesamt wurden drei Menschen verletzt - sie stammen alle aus Syrien. Bis Ende September registrierte die Polizei landesweit außerdem elf Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen, die meisten Anfang Juni in Rostock. Insgesamt beteiligten sich knapp 600 Menschen an diesen ausländerfeindlichen Kundgebungen.

Koplin beklagt "Verrohung"

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Torsten Koplin (Linke) kritisiert, die Aufklärungsquote bei bewachten Unterkünften sei "unverständlich".

Der Linksabgeordnete Torsten Koplin bedauert eine "zu geringe Aufklärungsquote". Unverständlich ist für ihn, dass bei Angriffen auf Gemeinschaftsunterkünfte kein einziger Tatverdächtigter ermittelt wurde. Diese Unterkünfte werden in der Regel bewacht. "Es ist doch ominös, dass der Wachschutz in den Fällen nichts zur Aufklärung der Tat beitragen konnte", so Koplin. Der Landtagsabgeordnete beklagt angesichts der Taten ein "erschreckendes Ausmaß der Verrohung". Die Taten hätten oft schwere Verletzungen oder sogar den Tod zur Folge haben können.

Im vergangenen Jahr erreichte die Aufklärungsquote bei politisch motivierter Kriminalität laut Angaben des Innenministerium einen neuen Höchststand, sie lag bei 53,3 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.12.2016 | 06:00 Uhr

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