Stand: 10.02.2016 19:21 Uhr

AfD-Spitzenfunktionär bald im Kirchenparlament?

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Sieht keinen Widerspruch zwischen AfD-Programm und dem Evangelium: Ex-AfD-Chef Holger Arppe.

Der wegen volksverhetzender Äußerungen verurteilte Ex-AfD-Landesvorsitzende Holger Arppe wird möglicherweise Mitglied im Kirchenparlament für Mecklenburg. Arppe rückt nach Informationen des NDR für einen ausscheidenden Synodalen nach. Die Nordkirche prüft allerdings, ob sie die Berufung des Rechtspopulisten verhindern kann.

Nordkirche erwägt Stopp des Verfahrens

Ein Sprecher des Kirchenkreises Mecklenburg bestätigte das Nachrück-Verfahren, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Arppe sei 2011 als Nachrücker gewählt worden. Damals hat es die AfD noch nicht gegeben. Die Nordkirche versucht jetzt, Arppes eigentlich für März vorgesehene Vereidigung noch zu stoppen. Es werde geprüft, ob es bei Arppe Gründe gebe, "die heute einer Mitgliedschaft in der Synode entgegen stehen", so der Präses der Kirchenkreissynode Christoph de Boor in einer Erklärung. Das Verfahren dazu laufe.

Arppe: AfD-Programm steht nicht im Widerspruch mit Evangelium

Der Bischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, hatte sich in Interviews zuletzt kritisch über die AfD und ihre Positionen geäußert, vieles bei der AfD stehe quer zum christlichen Glauben, so Ulrich. Kirchenvertreter weisen darauf hin, dass Synodale die christlichen Werte vertreten müssten, bei Mitgliedern der AfD könnten daran Zweifel bestehen. Der 42-Jährige selbst teilte auf Anfrage mit, das AfD-Parteiprogramm enthalte keine Forderungen, die mit dem Evangelium in einem unauflöslichen Widerspruch stünden. Außerdem müsse die Kirche "ihre bedenkliche Linkslastigkeit überwinden und wieder zu einer Kirche für Christen unterschiedlicher politischer Provenienz werden". Nur so, meint Arppe, könne sie als Stätte des Dialogs dienen und einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken.

Verurteilt wegen Volksverhetzung

In sozialen Medien schlägt Arppe immer wieder deutschnationale Töne an, er will die Grenzen schließen und wettert gegen "Masseneinwanderung". Der Galerist wurde im Mai 2015 wegen volksverhetzender Äußerungen im Internet vom Amtsgericht Rostock zu einer Geldstrafe von 2.700 Euro verurteilt - wegen des geringen Strafmaßes gilt er nicht als vorbestraft. Arppe hat Berufung eingelegt. Er ist Mitglied der Rostocker Bürgerschaft und in der AfD des Landes weiter Vorstandsmitglied. Arppe kandidiert in Rostock für einen Sitz im Landtag.

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