Stand: 02.03.2016 09:22 Uhr

Parchim: Beschädigte Tanks lösten Säureunfall aus

Die Feuerwehrleute tragen zur Räumung in Parchim Chemikalienschutzanzüge.

Schäden an den Kunststoff-Säuretanks haben nach ersten Erkenntnissen den Schwefelsäure-Unfall am Dienstag in Parchim ausgelöst. Wie der Wehrführer der Feuerwehr Parchim, Bernd Schröder, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte, seien die beiden 1.000-Liter-Tanks auf dem Gefahrgut-Transporter nicht ordnungsgemäß festgezurrt gewesen. Während der Fahrt seien sie dann hin und her gerutscht und beschädigt worden. Dadurch seien mehrere Hundert Liter der ätzenden Säure auf die Straße geflossen.

Gefahrgut-Transporter bleibt in Innenstadt liegen

Bei dem Chemieunfall war der Lkw am Montag mit einem Leck in der Innenstadt liegen geblieben. Der Fahrer hatte laut Polizei eingeräumt, die Ladung nicht richtig gesichert zu haben. Spezialkräfte der Feuerwehr versuchten, die ätzende Säure zu neutralisieren und umzupumpen. Auch in die Kanalisation ist Säure geflossen. Von dort besteht eine direkte Verbindung zum Burggraben bis hin zur Elde. Die Folgen sind noch unklar. Die zuständige Wasserbehörde will in den nächsten Tagen regelmäßig Proben nehmen. Am Montagnachmittag wurden der Parchimer Ostring sowie die Wallallee für Fahrzeuge und Fußgänger wieder freigegeben, weil dort keine weitere Gefahr mehr bestand.

Schwefelsäure: Ein wichtiger Grundstoff

Schwefelsäure ist ein wichtiger Grundstoff in der chemischen Industrie. Verwendet wird die in reinem Zustand ölige und farblose Säure zur Herstellung von Dünger, Wasch- oder Arzneimitteln sowie Sprengstoffen. Verdünnt ist die zähflüssige Substanz als Batteriesäure ein wichtiger Bestandteil von Autobatterien. Die aggressive Säure zerstört in konzentrierter Form organisches Gewebe wie Haut oder Fleisch. Gelangt die Säure in die Augen, droht Blindheit. Vermischt sich konzentrierte Schwefelsäure mit Wasser, wird starke Hitze freigesetzt, so dass die Mischung zu kochen beginnen kann.

(Quelle: dpa)

Unfall ereignete sich in der Nähe von Schule

Die Polizei hat Ermittlungen gegen den Fahrer und die Spedition eingeleitet. Der Lkw war auf dem Weg zu einer Firma im Umland von Parchim. Der Lastwagen hatte nach Angaben des Landkreises etwa 1.500 Liter Säure geladen und etwa die Hälfte davon auf zwei Straßen verloren. Die Beseitigung und Umladung dauerte rund sieben Stunden. "Wir hatten viel Glück, dass dies nicht 200 Meter weiter passierte", erklärte Schröder. Dann hätten eventuell eine Schule und ein Krankenhaus evakuiert werden müssen.

Zwei Verletzte im Krankenhaus

Der Fahrer des Lkw und ein Feuerwehrmann wurden ins Krankenhaus gebracht, konnten dieses aber kurz darauf wieder verlassen. Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten, um Verätzungen der Atemwege zu vermeiden.