Stand: 30.03.2016 07:00 Uhr

AOK will runter von hohen Mietkosten

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In der Landeszentrale in Schwerin hat die AOK das dritte Obergeschoss geräumt und die Miete gemindert.

Die AOK Nordost ist der Platzhirsch. Sie ist die größte Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 440.000 Menschen sind bei ihr versichert. Die Kasse legt Wert darauf, für ihre Kunden überall im Land mit Beratungsbüros vertreten zu sein. Das Servicenetz aber kostet Geld. Ausgerechnet in ihrem Vorzeigegebäude - der Landeszentrale in Schwerin - wachsen der AOK die Mietkosten über den Kopf. Die Krankenkasse hat deshalb das gesamte dritte Obergeschoss - rund 3.100 Quadratmeter - geräumt und die Miete entsprechend gemindert.

Fast 2.000 Euro weniger Miete pro Tag

Anstatt 175.000 Euro im Monat zahlt die AOK nur noch 125.000 Euro. Das macht pro Tag rund 1.700 Euro weniger. Der Quadratmeter-Preis aber bleibt gleich, rund 11,70 Euro. Die Miete liegt damit deutlich über den Büromieten, die in Schwerin sonst zu zahlen sind. Für gut ausgestattete Büros sind in der Landeshauptstadt nach Angaben des Immobilienverbandes Nord (IVD) etwa 8,50 Euro fällig.

Mietvertrag läuft bis 2022

Die 11,70 Euro für die Kassenzentrale klingen deshalb erst einmal happig. Allerdings hat sich die AOK das Gebäude 1995 nach eigenen Wünschen von der Rolf Kappel Bau-Union bauen lassen. Vor gut 20 Jahren waren moderne Büroräume knapp. Der Investor verlangte feste Renditen und sicherte sich "Kosten-Mieten", also Mieten, die seine Ausgaben mehr als nur wieder einspielten. Das Problem für die AOK: Sie ist langfristig vertraglich gebunden, der Mietvertrag in Schwerin läuft bis Mitte 2022. Vor zwanzig Jahren war möglicherweise noch nicht zu erkennen, dass Flächen für Aktenschränke im Zeitalter von Internet und digitaler Speicherung irgendwann nicht mehr gebraucht werden.

Neuer Besitzer klagt vor Landgericht

Die AOK beruft sich bei der jetzt angestrengten Mietminderung auf einen Passus im Mietvertrag aus dem Jahr 2003, der eine Räumung nicht benötigter Flächen vorsehe. Der Besitzer, die israelische Immobiliengesellschaft Electra Real Estate in Tel Aviv mit ihrer Tochterfirma Interfranchising BV in den Niederlanden, akzeptiert das nicht und hat vor dem Landgericht Schwerin geklagt (Az.: 7 O 35/15). Die Israelis haben das Gebäude im Jahr 2009 von Kappel für knapp 31 Millionen Euro gekauft - in der Hoffnung auf dauerhaft hohe Renditen. Das belegen auch Wertgutachten zu der Immobilie, die dem NDR vorliegen.

Offenbar gütliche Einigung angestrebt

Die AOK wollte sich auf Anfrage des NDR zu dem Streit mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Beide Seiten streben aber offenbar eine gütliche Einigung an. Einen Termin für eine Verhandlung der Klage gibt es jedenfalls nicht. Schwerin ist für die AOK kein Einzelfall: Ähnlich hohe Mieten muss die Krankenkasse auch für ihr Verwaltungsgebäude in Rostock am Warnowufer zahlen. Auch diesen Bau hat die Rolf Kappel Bau-Union errichtet. Erstbezug des modernen Komplexes war im April 1998. Kappel hat das Gebäude mittlerweile an die AIK Immobiliengesellschaft in Düsseldorf verkauft.

Spitzenmiete auch in Rostock

Die AIK ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Apotheker- und Ärztebank und mehrerer Versorgungswerke von Ärzte-, Zahnärzte- und Architektenkammern. Die AIK legt Gelder ihrer Mitglieder mit guten Renditeaussichten an, die Mieteinnahmen der AOK scheinen diese zu garantieren. Monatlich überweist die AOK ihrem Vermieter rund 104.000 Euro. Das macht bei einer Fläche von rund 7.600 Quadratmeter eine Miete von rund 13,60 Euro aus. Selbst für Rostock ist das ein Spitzenwert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.03.2016 | 07:00 Uhr