Stand: 25.02.2014 10:54 Uhr  | Archiv

2004: Mehmet Turgut wird in Rostock erschossen

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Am 25. Februar 2004 wurde Mehmet Turgut in Rostock erschossen. (Archivbild)

Am 25. Februar 2004 schließt Mehmet Turgut den Dönerstand im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel auf. Der in der Türkei geborene Turgut wohnt eigentlich in Hamburg, in Rostock besucht er einen Kumpel. Spontan übernimmt er an diesem Aschermittwoch-Vormittag das Aufsperren des Standes. Bis heute ist nicht völlig geklärt, was kurz nach 10 Uhr passiert. Ein Polizeibeamter wird 2013 vor Gericht von einer Art Hinrichtung "mit fast aufgesetzten Schüssen" in Hals, Nacken und Kopf sprechen. Mehmet Turgut wird nur 25 Jahre alt.

Neonazis mordeten jahrelang unerkannt

Über die mutmaßlichen Täter - Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe - wird vor Gericht genug gesprochen. Gemeinsam bildeten sie den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Dem Trio werden Morde an zehn Menschen, Sprengstoffanschläge und diverse weitere Straftaten zur Last gelegt. Der Prozess gegen die einzig noch lebende Beate Zschäpe in München läuft seit März vergangenen Jahres.

Soko "Bosporus" und die angeblichen Döner-Morde

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Mehmet Turgut war zu Besuch in Rostock. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Täter genau ihn ermorden wollten. Ein Zeuge sagte im Prozess: Die wollten nur töten."

Viele Angehörige lassen sich als Nebenkläger juristisch vertreten. Der Preis ist hoch: Sie müssen Zschäpe zusehen, wie sie selbst detailreiche Schilderungen der Bluttaten praktisch gleichgültig hinnimmt. Doch diese Qual ist nur das jüngste Kapitel im Leiden der Angehörigen von Mehmet Turgut. Erst im Jahre 2011 erkennt die Polizei bei der Tat einen Zusammenhang mit den Taten des NSU. Zuvor hatte die "Soko Bosporus" jahrelang nach türkischstämmigen Tätern gefahndet. Man ging von einem Mord im Milieu aus.

Mehmet oder doch sein Bruder Yunus?

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Erst die Tatwaffe bringt endlich Klarheit und schafft einen Zusammenhang. Die Ceska 83 war in vier weiteren Morden verwendet worden. Staatsanwälte aus München, Nürnberg und Rostock lassen die Ermittlungen endlich zusammenlegen. Peinlich auch eine Personalie: Bis 2011 gehen die Behörden von Yunus Turgut als Opfer aus. Mehmets Bruder hatte mehrfach erfolglos um Asyl in Deutschland gebeten. Die Brüder "tauschen" ihre Namen. Laut "Spiegel Online" heißt der Getötete in der Anklageschrift noch immer Yunus. Das Urteil gegen Beate Zschäpe wird voraussichtlich noch zwei Jahre auf sich warten lassen. Dann ist zumindest die juristische Aufarbeitung Geschichte. Der Schmerz von Turguts Familie und Freunden ist es nicht.

Zehn Jahre nach dem Mord sind zwei versetzt aufgestellte Betonbänke am Tatort in Rostock-Dierkow enthüllt worden. Sie sollen zum "leisen Dialog" anregen, wie es in der Beschreibung des Denkmals heißt. Hier soll über die Opfer diskutiert werden.