Stand: 10.02.2015 07:00 Uhr

Swissleaks: Adel verpflichtet nicht

von Petra Blum, WDR
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Die HSBC in Genf hat auch viele Adlige aus Deutschland angelockt.

Sie wollen nicht so gerne in die Öffentlichkeit - schon gar nicht im Zusammenhang mit Nummernkonten bei einer Schweizer Privatbank. Gleichwohl liest sich ein Teil der Kundenliste der HSBC Private Bank Genf aus dem Jahr 2007 wie ein Telefonbuch deutscher Adelsfamilien. Alter Militäradel, Geldadel, Hochadel - je reicher, umso mehr schätzten sie die Diskretion des Finanzplatzes Schweiz. Und ihre Millionen waren dort willkommen.

Prinzessin "möchte auf keinen Fall offenlegen"

Besonders heikel wurde das Thema Steuern für viele Kunden der HSBC im Jahr 2005, als eine europaweite Abgabe auf Zinserträge eingeführt wurde, die auf die Erträge vieler Kontoinhaber fällig geworden wäre. Die Unterlagen zeigen, dass die Banker ihr Bestes taten, um ihnen andere Möglichkeiten anzubieten. So heißt es in den Kommentaren zu einer Prinzessin, die einen Ruf als Unternehmerin und Wohltäterin genießt: "Ihr ist die Lage durchaus bewusst, aber sie möchte auf keinen Fall offenlegen."

Ihr Konto bei der HSBC in Genf hatte den klangvollen Namen "Palm Beach" und wies einen sechsstelligen Betrag auf. "Offenlegen" hätte für die adlige Kundin bedeutet, die Zinssteuer zahlen zu müssen. "Für die kleinen Zinserträge lohnt es sich auch nicht in ihrem Falle", befanden die Bankberater der HSBC in ihren internen Unterlagen im Jahr 2005. Die Prinzessin spricht ansonsten gerne mit der Presse, auch in der "Bild"-Zeitung wird ab und an über sie berichtet. Eine klare Antwort auf die Fragen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" nach ihrer Geschäftsbeziehung zur HSBC in der Schweiz hat sie nicht gegeben.

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"Keine Stellungnahme" hieß es auch bei einem adligen Vermögensverwalter, der eine ausführlich dokumentierte Kundenbeziehung zur HSBC in Genf hatte - die Banker notierten Gespräche über Urlaube, Freundschaften und nahmen minutiöse Instruktionen für seine Wertpapiergeschäfte entgegen. Die Familie, aus der er stammt, gilt als eine der reichsten in Deutschland. In den Unterlagen, die die Banker über ihn führten, findet sich eine geschickte Konstruktion, die durchaus für Steuervermeidung geeignet war: Eine Stiftung mit Sitz in Liechtenstein mit einem Kontostand von mehr als fünf Millionen Dollar im Jahr 06/07, sowie mehrere Konten.

Eines seiner Konten mit einem Höchststand von mehr als 226.000 Dollar, ebenfalls im Jahr 06/07, heißt "Gaudi01", das ist bayerisch und bedeutet so viel wie "Spaß". Dieser Spaß sollte wohl nicht allzu öffentlich werden: Die Unterlagen zu diesem Konto wurden laut der Vermerke in der Bank einbehalten und nicht an ihn geschickt. Auf Details, die andeuten, dass Wert auf Geheimhaltung gelegt wurde, reagieren Steuerfahnder besonders aufmerksam - genauso wie auf regelmäßige Bar-Auszahlungen bis zu einer gewissen Höhe. Solche Auszahlungen wurden bei den adligen Kunden häufiger dokumentiert. Bei Steuerfahndern gilt das als beliebte Methode, unversteuerte Erträge auf in Steueroasen geparktes Geld auszugeben, ohne Aufsehen zu erregen.

Groteske Ausreden

Um dem Ruf eines Steuersünders zu entkommen, flüchtete sich manch Adliger aus der Kundenliste der Genfer HSBC in grotesk anmutende Ausreden. So teilt ein Anwalt mit, sein Mandant könne "nach so langen Jahren zwangsläufig nicht ausschließen, dass ihm ein Kontoeröffnungsantrag oder eine Unterschriftenkarte mit einem Stapel anderer Papiere mit der Bitte vorgelegt wurde, eben mal ein paar Unterschriften zu geben, wie es gelegentlich am Rande von Familienfesten etc. vorkam". In einem weiteren Schreiben spricht er schon über juristische Auseinandersetzungen mit der Presse, ohne dass zu diesem Zeitpunkt irgendetwas veröffentlicht worden wäre.

Nur der Hochadel versteckt sich nicht hinter Anwälten: Auf Anfrage von NDR, WDR und SZ antwortet ein Angehöriger eines der ältesten und bekanntesten Adelsgeschlechter, dass die deutschen Finanzbehörden 2011 wegen eines Kontos seines bereits 2006 verstorbenen Vaters bei der HSBC angefragt hatten. Relativ offen berichtet er, dass er nichts von dem Konto gewusst habe, aber die Steuerberater seines Vaters beauftragt habe, in der Schweiz zu recherchieren. Es sei herausgekommen, dass das Konto bereits zu Lebzeiten des Vaters wieder geschlossen worden sei - das geben auch die von NDR, WDR und SZ eingesehenen Unterlagen wieder.

"Ich bin in Deutschland steuerpflichtig und zahle Steuern", schreibt er weiter. Verquaste Antworten, Drohungen oder Klagen hat  er offenbar nicht nötig. So normal kann Adel sein.

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