Stand: 26.01.2016 14:57 Uhr

Vater mit Handschellen gefesselt - Geldstrafe

Das Amtsgericht St. Georg hat einen 39-jährigen Mann wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung verurteilt. Er hatte gestanden, im vergangenen Sommer seinen Vater mit Handschellen an die Badezimmer-Heizung gefesselt zu haben. Wie NDR 90,3 am Dienstag berichtete, muss er eine Geldstrafe von 1.800 Euro bezahlen.

Angeklagter half Mutter bei der Pflege des Vaters

Im Gerichtssaal sagte der Angeklagte demnach, dass er sich einfach nicht mehr zu helfen gewusst habe. Der 39-Jährige sei aus Prag angereist, um seine Mutter bei der Pflege des Vaters zu vertreten. Der Vater soll häufig aggressiv gewesen sein, teilweise verwirrte Dinge getan haben und in der ständigen Angst gelebt haben, ins Pflegeheim abgeschoben zu werden. Zwei Wochen lang sei alles gut gelaufen, sodass der Angeklagte eines Abends zu einem Junggesellenabschied gegangen und angetrunken erst am frühen Morgen nach Hause gekommen sei.

Wenig später habe er seinen Vater in der Badewanne entdeckt - mit einem Fön in der Hand. Es sei zur Auseinandersetzung gekommen, der Vater habe angefangen zu randalieren. Daraufhin habe der Angeklagte die Handschellen aus der Militaria-Sammlung des Vaters geholt und ihn damit an die Heizung gekettet, um Schlimmeres zu verhindern - und um Zeit zu haben, Hilfe zu holen.

Überforderung schützt nicht vor Strafe

Als er noch recherchierte, ob es in Hamburg einen psychatrischen Notarzt gebe, stand die Polizei schon vor der Tür. Sie war von einem Nachbarn alarmiert worden, der Hilferufe aus dem Badezimmer gehört hatte. Die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und die Überforderung des Angeklagten erkannte auch das Gericht an. Trotzdem dürfe so etwas nicht passieren, sagte der Richter, und appellierte an die Angehörigen, sich dringend Hilfe zu suchen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.01.2016 | 17:00 Uhr