Stand: 23.06.2015 11:50 Uhr

Symbolische Gräber für Flüchtlinge angelegt

Auf dem Campus der Uni Hamburg haben am Montagabend rund 100 Studierende symbolische Gräber für Flüchtlinge angelegt. Sie zogen in einer kleinen Prozession vom Audimax zum Hauptgebäude der Uni, hoben dort mehrere Gräber aus und stellten Kreuze auf. Auf den Kreuzen stand etwa "Die Toten des EU-Grenzregimes", "Die Toten kommen" oder "Borders kill". Mit dieser Aktion wollten die Studierenden auf das massenhafte Sterben der Menschen auf ihrem Weg übers Mittelmeer Richtung Europa aufmerksam machen. Allein in diesem Jahr sind bereits mehr als 1.000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, deutlich mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Mittlerweile sind die symbolischen Gräber wieder entfernt worden.

Studierende erinnern an ertrunkene Flüchtlinge

"Gräber" in Hamburg aufgetaucht

In den vergangenen Tagen waren bereits an anderen Orten in Hamburg solche symbolischen Gräber aufgetaucht. Auf einer Verkehrsinsel der Max-Brauer-Allee etwa lag ein Erdhügel mit Blumen, Kerzen und einem Kreuz darauf und am Montagmorgen entdeckten Mitarbeiter des Ökumenischen Forums in der Shanghaiallee in der Hamburger Hafencity ein solches Grab.

Auf dem frisch aufgeworfenen Sand lagen Blumen und standen Kerzen, auf einem Holzkreuz stand der Name David Ben Ali, als Todesort mit Filzstift geschrieben: "EU-Außengrenze". Die seit 2012 täglich in den Räumen des Ökumenischen Forums in der Hafencity stattfindene Mittagsandacht sei daraufhin spontan an das Grab verlegt worden, sagte ein Mitarbeiter des Forums NDR 90,3. Wer für die Aktion verantwortlich ist, ist noch unklar.

Tausende vor dem Reichstag

In Berlin hatte die Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" mit Beerdigungen und Trauerfeiern für gestorbene Flüchtlinge für Aufsehen gesorgt. Sonntag demonstrierten dort mehr als 5.000 Menschen und legten symbolische Gräber auf dem Rasen vor dem Reichstag an.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.06.2015 | 19:30 Uhr