Stand: 20.12.2012 12:00 Uhr  | Archiv

"Secret Supper" - geheime Dinner in Hamburg

von Birgit Reichardt, NDR.de
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Bis zu zwölf Gäste bewirtet Jules bei ihren Geheim-Dinnern in Hamburg.

"Die Leute können mir direkt in die Töpfe gucken, da war ich am Anfang schon nervös", sagt Jules lachend. "Ich habe ja eine offene Küche." Mittlerweile findet die Hamburgerin das aber "umso schöner". Jules bietet "Secret Suppers" an: Sie kocht für unbekannte Gäste Sieben-Gänge Menüs in ihrer Privatwohnung in St. Georg. Die Gourmet-Freunde können sich nur per E-Mail anmelden, die Adresse von "Jules' Kitchen" erfahren sie frühestens drei Tage vor dem Essen. Ganz legal ist das nicht.

Loup de Mer auf vanillierten Tomaten

Pochierte Foie Gras auf Apfel-Quitten-Kompott, Taboulé mit Granatapfel und rosa-gebratener Barbarie-Entenbrust, Loup der Mer aromatisiert mit Zimt-Kumquat-Öl auf vanillierten Tomaten und Fenchelpüree: Allein diese Auszüge aus dem Menü lesen sich wie die Speisekarte eines Sterne-Restaurants. Der Aufwand wirkt enorm, doch Jules widerspricht. "Ich muss das zwar alles um meinen Büroalltag herumstricken, aber ich bereite das gut vor", sagt sie. Die frischen Lebensmittel kaufe sie freitags bei ihren Händlern auf dem Markt ein. Zudem sei sie es gewöhnt, für viele zu kochen, weil sie das schon häufig für ihre Freunde getan habe.

"Spannend, wie sich so ein Abend entwickelt"

Pro Abend will Jules nur bis zu zwölf Leute bewirten. "So viele passen gut an meinen Tisch." Denn auch die Gäste untereinander kennen sich nicht und da soll jeder genug Platz für sich haben, so die Gastgeberin. Ihr Konzept kommt bisher auch offenbar gut an. Die "Supper-Club"-Abende seit der offiziellen Premiere im Mai dieses Jahres waren nicht nur ausgebucht, teilweise verweilten die fremden Gäste bis zwei Uhr morgens - kein Problem für Jules: "Ich finde es einfach spannend, wie sich so ein Abend entwickelt."

Norddeutsche Hemmschwelle

Geburtshilfe für die besonderen Dinner-Abende in Hamburg haben Berliner Kollegen geleistet. Dort gebe es bereits 13 bis 15 "Supper-Club"-Betreiber, sagt Jules. Dass sich dieser Hauptstadt-Trend im Norden bisher wenig verbreitet hat, habe einen kulturellen Grund, glaubt die Hamburgerin. "In Berlin ist man offener, die Norddeutschen müssen doch eher eine Hemmschwelle überwinden, bevor sie bei Fremden essen und erst kurz vorher erfahren, wo es überhaupt hingeht", so ihre Vermutung.

"Nicht ganz legal"

So ganz legal sind die "Supper-Clubs" möglicherweise nicht, meint Jules. Die Hygiene-Vorschriften eines Restaurants einzuhalten, sei für einen Privathaushalt kein Problem. Sie könne aber die baulichen Vorgaben nicht einhalten. Um misstrauische Behörden milde zu stimmen, müssten Gäste auch nicht bezahlen, sondern könnten einfach etwas spenden. Zudem frage sie auch ganz genau ab, ob und welche Allergien ihre Gäste hätten, "damit mir hier niemand kollabiert". Ihre Berliner Kollegen hätten auch schon Bundestagsabgeordnete, Rechtsanwälte und Polizisten als Gäste begrüßt - und die hätten kein Problem damit gehabt, ein "Secret-Supper" zu besuchen.

Kostspieliges Hobby

Ihre Motivation, stundenlang für Unbekannte zu kochen, ist nach eigenen Angaben purer Idealismus. Geld verdient Julia mit ihren "Supper-Clubs" nicht. Im Gegenteil: Bevor es im Mai losging, hatte sie sich monatelang vorbereitet und investiert. In einen Internetauftritt, Fotos und auch in Geschirr. Ein Sieben-Gänge-Menü brauche jede Menge davon - Schälchen, flache Teller, tiefe Teller, Besteck, Gläser. Es dauere Jahre, das Geld wieder reinzuholen.

"Aber das ist mein Hobby", sagt Julia voller Überzeugung. "Ich bin eine gute Hobby-Köchin und ich habe Spaß daran, Gastgeberin zu sein - und Menschen zusammen zu bringen."

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