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Gewerkschaft und Senator kritisieren Polizei-Fragebogen

Polizisten bereiten sich auf die Demonstration am Rande der NPD-Kundgebung in Hamburg vor. © dpa Fotograf: Bodo Marks
große Bildversion anzeigen Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu - die Studie, die die Ursachen klären soll, ist aber umstritten. (Archivfoto)

Eine bundesweite Befragung von mehr als 250.000 Polizisten zum Thema "Gewalt gegen Polizeibeamte" droht zu scheitern. Grund ist ein umstrittener Fragenkatalog, den die Hamburger Innenbehörde und Polizeigewerkschaften heftig kritisieren. Das berichtete NDR 90,3. Darin sollen die Beamten unter anderem angeben, ob und wie oft sie als Kind geschlagen wurden.

Hintergrund der Befragung ist die Tatsache, dass die Übergriffe auf Polizeibeamte steigen. Allein im ersten Halbjahr 2009 wurden in Hamburg fast 600 Polizisten attackiert. Die deutschen Innenminister hatten die Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie oft und in welchen Situationen Polizeibeamte im Einsatz angegriffen werden. Doch seit Bekanntwerden des Vorhabens hagelt es Kritik, sodass die Befragung vorerst verschoben werden musste. Die Polizisten sollen im Fragebogen unter anderem ankreuzen, wie oft in der Kindheit mit ihnen geschmust wurde, ob sie leicht ausrasten und wie häufig sie als Kind verprügelt wurden.

Empörter Innensenator Ahlhaus schreibt Beschwerde-Brief

Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) fand daraufhin in einem Brief an den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, deutliche Worte. In dem Schreiben, das NDR 90,3 vorliegt, nennt Ahlhaus es unerträglich, wie der "Täter-Opfer-Zusammenhang" umgekehrt werde. So werde der Eindruck erweckt, die Beamten seien möglicherweise selbst schuld, wenn Gewalt gegen sie ausgeübt werde. Der Fragenkatalog des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von Professor Christian Pfeiffer müsse überarbeitet werden.

Polizeigewerkschaft erwägt Boykott

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) geht noch einen Schritt weiter: Sollten die Fragen nicht verändert werden, werde überlegt, die Kollegen zum Boykott der großangelegten Studie aufzurufen. Der Hamburger DPolG-Landesvorsitzende Joachim Lenders kritisierte: "Das sind tendenziöse Fragen, die unterstellen, dass Polizeibeamte aggressiv sind."

Pfeiffer: "Wollen Beamte sensibilisieren"

Pfeiffer sagte dagegen, dass durch die Ergebnisse der Studie die Polizisten gezielter trainiert werden könnten, wie sie sich in bestimmten Situationen zu verhalten haben. "Wir wollen die Beamten dafür sensibilisieren, dass das eigene Verhalten Auswirkungen haben kann. Jemand, der in der Kindheit Gewalt erfahren hat, hat ein doppeltes Risiko, auch als Erwachsener Opfer zu werden, weil er bei Konflikten weniger souverän ist", sagte Pfeiffer dem "Hamburger Abendblatt".

Stand: 20.11.2009 12:06
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