Stand: 26.11.2014 09:35 Uhr  | Archiv

Was bringt die Elbvertiefung?

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de
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Die Elbe soll tiefer werden, damit in Zukunft Container-Riesen wie die 396 Meter lange "Marco Polo" den Hamburger Hafen mit mehr Ladung als bislang ansteuern können.

Die Elbe zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands. Für die weltweite Schifffahrt ist vor allem das rund 130 Kilometer lange Stück zwischen der Nordsee und Hamburg bedeutsam. Der geplante Fahrrinnen-Ausbau hat zum Ziel, dass der Hamburger Hafen besser für die neue Generation der Containerschiffe zu erreichen ist. Riesenschiffe mit Platz für rund 16.000 Container wie die "Marco Polo" mit einem maximalen Tiefgang von 16 Metern können den Hafen zwar schon heute anfahren - allerdings nicht voll beladen. Deswegen befürchten Reeder und Terminal-Betreiber Standort-Nachteile, sollte die Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne nicht bald erfolgen.

Mit Flutwelle oder ohne

Nach den Baggerarbeiten sollen Schiffe mit einem tatsächlichen Tiefgang von 13,50 Metern die Unterelbe jederzeit befahren können. Bislang liegt der maximale Tiefgang für eine tideunabhängige Fahrt von Hamburg nach Cuxhaven bei 12,50 Metern.

Die Krux mit den Tiefgängen

Die Tiefgänge von Containerschiffen werden mal für Salzwasser, mal für Frischwasser abgegeben. Als Faustregel gilt, dass im Frischwasser zum Salzwasser-Tiefgang eines Schiffes 30 Zentimeter hinzuzurechnen sind. Die im Artikel genannten Tiefgänge beziehen sich alle auf Salzwasser. Dies ist international so üblich.

Ein besonderer Bereich ist die tideabhängige Fahrt: Nutzen Schiffe die Flutwelle, um den Hamburger Hafen zu erreichen oder zu verlassen, dürfen sie höhere Tiefgänge aufweisen. Schiffe, die von der Nordsee aus mit der Flutwelle einlaufen, dürfen nach der Elbvertiefung einen Tiefgang von bis zu 15,60 Metern (jetzt: 14,80 Meter) haben. Beim Auslaufen gelten wiederum andere Vorgaben, weil die Schiffe dann gegen die Flutwelle anfahren. Die Elbvertiefung soll dazu führen, dass Schiffe bis 14,50 Meter (jetzt: 13,50 Meter) tideabhängig auslaufen dürfen.

Nach Angaben der Hamburg Port Authority (HPA) war im Jahr 2008 noch etwa jede achte Fahrt (12,15 Prozent) eines großen Containerschiffes tideabhängig. Bis 2012 nahm dieser Anteil auf 17,36 Prozent zu, das entspricht ungefähr jedem sechsten Schiff. Auch die absolute Zahl der tideabhängig verkehrenden Containerschiffe ist laut HPA in diesem Zeitraum von 326 auf 518 angestiegen.

Elbvertiefung: Wo gebaggert werden soll

Wo wird gebaggert?

Die Fahrrinne der Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven wird nicht auf der gesamten Länge ausgebaggert. Nach Angaben des Bundes soll die Tiefe des Flusses auf 70 Prozent der Strecke verändert werden. Maximal wird die Fahrrinne um 2,42 Meter vertieft, an anderen Stellen nur um 1,50 Meter oder weniger. An der tiefsten Stelle wird die Fahrrinne nach der Elbvertiefung 19,00 Meter tief sein, in Hamburg-Altenwerder 17,40 Meter. Nur über dem Autobahn-Elbtunnel in Hamburg kann nicht weiter gebaggert werden. Dort bleibt es bei einer Flusstiefe von 16,70 Meter unter Normalnull.

Darüber hinaus soll die Fahrrinne zwischen der Störkurve bei Glückstadt und Hamburg um 20 Meter verbreitert werden - bislang ist die Fahrrinne in diesem Bereich 300 Meter breit, beziehungsweise nur 250 Meter kurz vor Hamburg. Zudem ist eine sechs Kilometer lange "Begegnungsbox" mit einer Breite von 385 Metern geplant. In diesem Bereich sollen große Container- und Massengutschiffe aneinander vorbeifahren können. Die Baggerarbeiten werden mindestens zwei Jahre dauern. Die Planer nehmen in dieser Zeit Rücksicht auf die Mauser-, Brut- und Laichzeiten verschiedener Tierarten wie zum Beispiel der Brandgans, dem Seeadler und der Finte.

Chronologie

Die Eingriffe in die Unterelbe

Die Vertiefung der Fahrrinne ist seit der Industrialisierung immer wieder Thema an der Unterelbe gewesen. Seit dem 19. Jahrhundert hat es mehrere Anpassungen gegeben. mehr