Stand: 25.07.2013 13:43 Uhr

Hitlers Hafen: Die Nazi-Pläne für Hamburg

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Die 1937 eröffnete Golden Gate Bridge in San Francisco war Vorbild für die Elb-Hochbrücke, die sich Hitler für Hamburg wünschte.

Ein Wolkenkratzer nach Art des Empire State Buildings. Eine Hängebrücke nach dem Vorbild der Golden Gate Bridge. Spektakulär plante der Hamburger Architekt Konstanty Gutschow ab 1939 den Hamburger Hafen. Sein Auftraggeber: Adolf Hitler.

"Hamburg hat etwas Amerikanisches", urteilt der Diktator bei einer Barkassenfahrt durch den Hafen der Hansestadt - so jedenfalls schreibt es der damalige Bürgermeister Carl Vincent Krogmann in seinen Memoiren. Entsprechend gigantisch wünscht sich Hitler für die "Hauptstadt der deutschen Schifffahrt" eine Silhouette, die Besucher mindestens so beeindruckt wie die Skyline New Yorks - am besten noch stärker. "Da soll das Hochhaus hin", soll Hitler bei der Bootsfahrt ebenfalls gesagt und mit dem Finger auf Altona gedeutet haben.

Die Botschaft: "Wir können mehr als die Amerikaner"

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Der Diktator als verhinderter Architekt: So ganz nach dem Geschmack Hitlers (links) waren Gutschows Modelle des "Neuen Hamburg" nie.

Gewaltig. Respekt einflößend. Bewunderung erweckend. So stellt sich der Diktator das Antlitz des neuen Hafens, ja Hamburgs insgesamt, vor. "Er wollte demonstrieren: Wir können mehr als die Amerikaner", erklärt Historikerin Sylvia Necker, die sich intensiv mit der Hamburger Stadtplanung im Nationalsozialismus beschäftigt hat.

Für Hitler ist der Hafen der Hansestadt Schlüssel zur Herrschaft über den Welthandel. Entsprechend repräsentativ soll das Tor zur Welt des Nationalsozialismus neu gestaltet und das Zentrum von der Alster an die Elbe verlegt werden. Auch die "Kraft durch Freude"-Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen wie der "Wilhelm Gustloff" sollen schon beim Ansteuern des Hafens über den Anblick der Handelsstadt staunen.

So gestaltete Gutschow den Hafen der Nazis

Neugliederung des gesamten Hafens

Eine Neugliederung des Hafens ist ebenfalls angedacht. Die Nationalsozialisten planen, den Fischereihafen nach Wedel-Schulau auszulagern. Störende Industrie soll nach Kattwyk-Hohenredder. Die bisher auf Waltershof konzentrierten, kriegswichtigen Mineralölhäfen sollen auf mehrere Standorte verteilt werden, damit bei möglichen Bombenangriffen nicht alle Raffinerien auf einmal zerstört werden.

Um den richtigen Mann für die umfangreichen Planungen von Hafen und Stadt zu gewinnen, lässt Hitler einen Wettbewerb ausrichten. Vier Architekten sind eingeladen. Am besten gefallen der Jury die Ideen des gebürtigen Hamburgers Konstanty Gutschow, der ab dem 1. April 1939 den Titel "Architekt des Elbufers" tragen darf.

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Unsere Geschichte | 29.09.2016 | 20:15 Uhr

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