Stand: 22.04.2013 15:09 Uhr  | Archiv

Illegal Daten gesammelt: Bußgeld gegen Google

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Von 2008 bis 2010 hatte Google Autos mit Kameras durch die Straßen geschickt, um Aufnahmen für den Dienst Street View zu machen.

Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar hat ein Bußgeld in Höhe von 145.000 Euro gegen den Internetkonzern Google verhängt. Damit werde eine illegale Datensammlung des Konzerns geahndet, wie die Behörde am Montag in der Hansestadt mitteilte.

Daten aus WLAN-Netzen erfasst

Google hatte zwischen 2008 und 2010 bei Aufnahmen von Bildern für seinen Straßenfoto-Dienst Street View auch Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen erfasst. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte strafrechtliche Ermittlungen zu dem Fall im November eingestellt. Der Datenschutzbeauftragte führte die Angelegenheit aber als Ordnungswidrigkeitsverfahren weiter und verhängte nun das Bußgeld.

"Fahrlässig Daten erhoben und gespeichert"

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Hamburgs Datenschutzbeauftragter Caspar spricht von einem der größten bislang bekannt gewordenen Datenschutz-Verstöße.

Caspar erklärte, es stehe fest, dass Google "fahrlässig unbefugt personenbezogene Daten erhoben und gespeichert" habe. Unter den erfassten Informationen befanden sich laut Caspar auch E-Mails, Passwörter, Fotos und Chat-Protokolle. Der US-Konzern hatte stets bestritten, die Daten vorsätzlich gesammelt zu haben. Der Fall lässt laut Caspar aber den Schluss zu, dass Googles firmeninterne Kontrollmechanismen "in erheblicher Weise versagt haben". "Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dem Sachverhalt um einen der größten bislang bekannt gewordenen Datenschutz-Verstöße überhaupt. Google hat sich bei der Aufklärung kooperativ gezeigt und öffentlich ein Fehlverhalten eingeräumt", so Caspar.

Google räumt Fehler ein - Daten angeblich gelöscht

Der US-Konzern hatte 2008 bis 2010 Autos mit Kameras durch die Straßen deutscher Großstädte geschickt, um Aufnahmen für den Straßenbilder-Dienst Street View zu machen. Diese sammelten im Vorbeifahren allerdings auch Daten, die sie aus unverschlüsselten WLAN-Netzwerken empfingen. Nach Angaben von Google handelte es sich um einen "Fehler", durch den die Funktionen in die Steuerungsprogramme integriert worden seien. Die Autos hätten während der Fahrt auch nur kurze, praktisch wertlose "Informationsschnipsel" aus ungesicherten drahtlosen Netzen aufschnappen können. Diese seien zudem nie ausgewertet und verwendet worden. Die Daten wurden nach Angaben des Unternehmens gelöscht.

Caspar räumte ein, dass der Betrag für einen Konzern wie Google keine abschreckende Wirkung habe. Das Bundesdatenschutzgesetz sehe für multinationale Unternehmen aber nur ein Bußgeld von bis 150.000 Euro für fahrlässige Datenschutzverstöße und von bis zu 300.000 für vorsätzliche Verletzung vor. Google musste wegen des Vorfalls bereits in mehreren Ländern Sanktionen hinnehmen. In den USA musste das Unternehmen jüngst umgerechnet 5,4 Millionen Euro Strafe nach einer Einigung mit den Generalstaatsanwälten von 38 US-Staaten zahlen.

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