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Im Konflikt um das historische Hamburger Gängeviertel haben die Hausbesetzer aus der Hamburger Kunstszene einen ersten Erfolg verbuchen können. In Absprache mit der Hamburger Kulturbehörde könnten die Künstler bis auf weiteres die Erdgeschossflächen nutzen, sagte Florian Tampe von der Künstlerinitiative "Komm in die Gänge" am Mittwoch.
Die Gespräche mit den Künstlern seien "sehr konstruktiv" , sagte eine Sprecherin der Kulturbehörde. Dass die Erdgeschossflächen vorläufig hergerichtet würden, sei "ein wertvolles Zwischenergebnis".
Tampe wies jedoch darauf hin, dass es nun darauf ankomme, alle Gebäude möglichst schnell zu sanieren, um die Bausubstanz langfristig zu erhalten. "Es eilt sehr, die Gebäude haben keine Zeit." Einige der Häuser seien in derart schlechtem Zustand, dass sie den kommenden Winter nicht überstehen würden, sagte Initiativensprecherin Christine Ebeling. Die Künstler erwarteten, dass das historische Erbe der Stadt nicht aufgegeben werde. In der Finanzkrise habe die Politik "Millionen und Milliarden" ausgegeben, nun müssten auch im Hamburger Gängeviertel "die Euros rollen", um eine "Kulturkrise" zu verhindern.
Seit dem Wochenende halten zahlreiche Künstler mehrere Häuser im geschichtsträchtigen Gängeviertel der Hansestadt besetzt, um einen drohenden Abriss zu verhindern und stattdessen Räume für Künstler einzurichten. In den leer stehenden Gebäuden zeigen sie Ausstellungen und organisieren ein umfangreiches Kulturprogramm, an dem sich nach eigenen Angaben mehr als 200 Künstler aus aller Welt beteiligen.
Die Situation im Gängeviertel zeige die Not für Künstler in der ganzen Stadt, sagte Ebeling. Die Kunst drohe in Hamburg auszusterben, weil es keine bezahlbaren Räume für Künstler gebe.
Bereits am Dienstag war die Kulturbehörde einen Schritt auf die protestierenden Künstler zugegangen. Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) versprach am Dienstag, noch im August 30 Räume als Ateliers zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus würden mithilfe eines privaten Mäzens Ateliers in der Speicherstadt angeboten, sagte die Senatorin. Für das eigentliche Ziel der Besetzer - die dauerhafte Nutzung und den Erhalt der historischen Gängeviertel-Häuser - hatte Finanzstaatsrat Robert Heller jedoch kaum Hoffnungen gemacht
Die Hamburger Gängeviertel wurden bis 1900 vornehmlich von Hafen- und Gelegenheitsarbeitern bewohnt. Es war die am dichtesten besiedelte Fläche der Hansestadt. Auf einem Hektar lebten durchschnittlich 1.500 Menschen. Wegen der zunehmenden Verslummung und hohen Kriminalität in den Gängevierteln wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst das Hafen-Gängeviertel der Neustadt-Süd abgerissen, dann folgte die Altstadt-Ost und schließlich unter der Nazi-Diktatur die nördliche Neustadt.
Der Senat will den Gängeviertel-Besetzern 30 Räume zur Verfügung stellen. (Meldung vom 25.08.09)
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