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Nach der Besetzung der Gängeviertel-Häuser macht Hamburgs Kulturbehörde einen Schritt auf die protestierenden Künstler zu: Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) versprach am Dienstag, noch im August 30 Räume als Ateliers zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus würden mithilfe eines privaten Mäzens Ateliers in der Speicherstadt angeboten, sagte die Senatorin.
Für das eigentliche Ziel der Besetzer - die dauerhafte Nutzung und den Erhalt der historischen Gängeviertel-Häuser - machte Finanzstaatsrat Robert Heller jedoch kaum Hoffnungen: "Wir haben eine rechtsgültige Vertragslage und der Investor hat sich verpflichtet aufgrund des Vertrages bestimmte Baumaßnahmen durchzuführen."
Allerdings kommt offenbar auch eine Zwischenlösung im Gängeviertel in Frage: Finanzsenator Michael Freytag (CDU) sagte, er könne sich eine vorübergehende Nutzung der Häuser durch die Künstler vorstellen, sollte nicht sofort mit dem Bau begonnen werden.
Kultursenatorin von Welck wies unterdessen Vorwürfe des Malers Richter an ihrer Kulturpolitik zurück. Der Kulturetat der Stadt sei gerade gegen den Trend um sieben Prozent erhöht worden. Natürlich müsse sich Hamburg auch um Touristen kümmern und Veranstaltungen wie den Hafengeburtstag fördern: "Aber es gibt viele andere, ganz tolle Kultur, die uns sehr am Herzen liegt, die wir auch sehr unterstützen", sagte von Welck.
Richter hatte dem Senat eine "kulturlose Kulturpolitik" vorgeworfen. Gefördert würden vor allem Volksfeste wie die Harley-Davidson-Tage oder das Kirschblütenfest, sagte Richter. "Das ist die immer gleiche abgeschmackte Art von Konsum und Massenunterhaltung, und das ist keine Kulturpolitik." Gerade junge Künstler, die noch keine Karriere gemacht hätten, benötigten Raum für Experimente. Die Kulturbehörde schlafe jedoch in diesem Bereich. "Wenn man 20 Millionen hat, um die private Schiffssammlung von Herrn Tamm zu kaufen und zu einem Museum zu erklären, dann sollte man auch in der Lage sein, tatsächlich Künstler zu halten."
Die Hamburger Gängeviertel wurden bis 1900 vornehmlich von Hafen- und Gelegenheitsarbeitern bewohnt. Es war die am dichtesten besiedelte Fläche der Hansestadt. Auf einem Hektar lebten durchschnittlich 1.500 Menschen. Wegen der zunehmenden Verslummung und hohen Kriminalität in den Gängevierteln wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst das Hafen-Gängeviertel der Neustadt-Süd abgerissen, dann folgte die Altstadt-Ost und schließlich unter der Nazi-Diktatur die nördliche Neustadt.
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